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01 / 2026

Logo, Aktionsbüro Gesundheit rund um die Geburt
Ein Vater hält sein Baby in den Armen

Liebe Leser:innen,

das Jahr 2025 endete mit Schwung und 2026 hat nahtlos daran angeknüpft.

Im Dezember konnten die Ergebnisse der Dialogwerkstatt zum Landesaktionsplan Gute Geburt im niedersächsischen Ausschuss für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Gleichstellung vorgestellt werden. Im Januar folge dann der nächste Schritt: Der Ausschuss stimmte erneut über den Entschließungsantrag „Landesaktionsplan Gute Geburt" ab, das Ergebnis dort stimmte bereits zuversichtlich. Am 4. März ging der Antrag ins niedersächsische Landtagsplenum und wurde dort mit den Stimmen von SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN unter Enthaltung der anderen Fraktionen ohne Gegenstimmen verabschiedet.

Ein weiterer Grund zur Freude: Der Hebammenkreißsaal des KRH Klinikum Robert Koch Gehrden hat offiziell sein Zertifikat HKS+ erhalten. Staatssekretärin Dr.in Christine Arbogast überreichte es im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung. Eine verdiente Anerkennung für ein Konzept, das Gebärende in den Mittelpunkt stellt und die Geburtshilfe in Niedersachsen stärkt.

Wenn Sie Wünsche, Kommentare, Tipps und Beiträge für die nächste Newsletter-Ausgabe haben, schreiben Sie gerne eine E-Mail an: aktionsbuero-geburt@gesundheit-nds-hb.de.

Viel Spaß beim Lesen und einen sonnigen Start in den Frühling wünscht Ihnen das Team vom Aktionsbüro Gesundheit rund um die Geburt in Niedersachsen!

Besuchen Sie auch die Website des Aktionsbüros Gesundheit rund um die Geburt in Niedersachsen unter www.gesundheit-rund-um-die-geburt-nds.de.

   AKTUELLES AUS DEM AKTIONSBÜRO

Feierliche Zertifikatsübergabe für den Hebammenkreißsaal am KRH Klinikum Robert Koch Gehrden zum HKS+

Am 22. Januar 2026 fand im KRH Klinikum Robert Koch Gehrden die feierliche Übergabe des Zertifikats HKS+ statt. Bereits im November 2025 wurde das Audit erfolgreich durchgeführt. Über das Budget des Aktionsbüros war eine finanzielle Unterstützung der vorbereitenden Fortbildungsmaßnahmen und der Zertifizierung ermöglicht worden. Mit der erfolgreichen Zertifizierung ist der Hebammenkreißsaal (HKS) Gehrden nach dem Klinikum Osnabrück der zweite zertifizierte HKS in Niedersachsen.

Die Zertifikatsübergabe erfolgte im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung im Beisein von Andrea Köbke vom Deutschen Hebammenverband (DHV) und Susanne Huhndorf vom Hebammenverband Niedersachsen (HVN). Überreicht wurde das Zertifikat von Staatssekretärin Dr.in Christine Arbogast, die in ihrer Ansprache die Bedeutung des Hebammenkreißsaal-Konzepts für eine qualitativ hochwertige und zukunftsfähige Geburtshilfe in Niedersachsen betonte.

Der HKS+ ermöglicht unter anderem eine regelhaft verankerte 1:1-Betreuung, die nachweislich das mütterliche und kindliche Outcome verbessert, die Zufriedenheit der Gebärenden erhöht und zugleich die Arbeitszufriedenheit im Team stärkt. Die Zertifizierung in Gehrden setzt damit ein wichtiges Zeichen für die Weiterentwicklung der Geburtshilfe in Niedersachsen.

Foto: KRH Klinikum Region Hannover

Foto: KRH Klinikum Region Hannover

Runder Tisch Geburtshilfe

Der vierte und letzte Termin des Runden Tisches im Jahr 2025 fand am 12. Dezember statt.  Die Mitarbeitenden der einzelnen Arbeitsgruppen berichten zu den Ereignissen des Jahres. Ein besonderes Highlight war die Begleitung und finanzielle Unterstützung des Hebammenkreißsaals (HKS) KRH Klinikum Robert Koch Gehrden bei der Zertifizierung zum HKS+ (s.o.).

Das Aktionsbüro konnte neben der finanziellen Unterstützung der Zertifizierung noch eine weitere Fördermaßnahme durchführen. In Abstimmung mit dem Sozialministerium wurde den fünf niedersächsischen Humanmilchbanken in Vechta, Oldenburg, Hannover, Wolfsburg und Göttingen aus dem Budget des Aktionsbüros in diesem Jahr eine kleine Fördersumme zur Unterstützung notwendiger Anschaffungen angeboten. Drei Standorte haben dieses Angebot genutzt. Es wurden Kühltaschen sowie Infrarotthermometer bzw. mit weiteren Geldgeber:innen ein Kühlschrank angeschafft.

Für 2026 sind wieder vier Termine für den Runden Tisch Geburtshilfe geplant, der erste ist für den 13. März geplant. Parallel arbeiten seit Januar drei Arbeitsgruppen zu den Themen „Gesundheitskompetenz von Schwangeren, Müttern und Familien“, „Geburtshilfliche Versorgung“ sowie basierend auf den Ergebnissen der Dialogwerkstatt „Gesundheit rund um die Geburt in Niedersachsen stärken: Interprofessionelle Ansätze für eine zukunftsfähige Versorgung“ auch an einem „Aktionsplan für Niedersachsen“ zur Umsetzung des 9. Nationalen Gesundheitsziels „Gesundheit rund um die Geburt“.

   NETZWERKARBEIT

Bündnis Gute Geburt in der Region Hannover initiiert die Erarbeitung eines Leitfadens für die stationäre Wochenbettbetreuung

Derzeit wird in vielen niedersächsischen Kliniken auf den Wochenstationen noch eine ablauforientierte Funktionspflege praktiziert, in der erforderliche Tätigkeiten durch verschiedene Gesundheitsfachkräfte verübt werden. Dies entspricht nicht den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen, die vielmehr eine dem Konzept der Bezugspflege folgenden Betreuung empfehlen, bei der die Beziehung und Versorgungskontinuität zwischen Patient:in und Pflegekraft im Vordergrund stehen. Eine solche individualisierte, familienzentrierte Betreuung wird als bindungs- und entwicklungsfördernd betrachtet und verbessert das neonatale und mütterliche Outcome sowie die elterliche Selbstwirksamkeit. Gleichzeitig wirkt sie sich positiv auf die Zufriedenheit der Mitarbeitenden aus.

Initiiert vom Bündnis Gute Geburt in der Region Hannover erarbeitete Hilke Schauland, die 1. Vorsitzende des Hebammenverbandes Niedersachsen, unter Mitarbeit der Verantwortlichen der fünf Hochschulstandorte mit dem Studiengang Hebammenwissenschaft in Niedersachsen einen Leitfaden für die stationäre Wochenbettbetreuung. Damit liegt eine evidenzbasierte Handlungshilfe vor, die sowohl eine individuelle bedarfs- und bedürfnisorientierte Betreuung sicherstellt als auch die im Gesetz und im Curriculum festgelegten Anforderungen an die praktische Hebammenausbildung erfüllt. Der Leitfaden steht im digitalen Format zur Verfügung und kann kostenlos abgerufen werden.

Veranstaltung von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: „Gesunde Geburt in Niedersachsen: Gute Betreuung mit Hebammen unerlässlich“

Auf Einladung von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN fand am 17.02.2026 die Veranstaltung „Gesunde Geburt in Niedersachsen: Gute Betreuung mit Hebammen unerlässlich“ statt. Im Mittelpunkt stand die Bedeutung einer qualitativ hochwertigen, frauzentrierten Geburtshilfe als zentraler Bestandteil der gesundheitlichen Versorgung in Niedersachsen.

Ein zentrales Thema war der neue Hebammenhilfevertrag, dessen konkrete Auswirkungen auf die geburtshilfliche Versorgung in Niedersachsen durch Dr.in Tanja Meyer (MdL, stellv. Landtagspräsidentin und Frauenpolitische Sprecherin Bündnis 90/Die Grünen) und Anja Samborski (Beleghebamme am Marienstift in Braunschweig) intensiv beleuchtet wurden. Da der Vertrag auf Bundesebene verhandelt wird, gibt es auf Landesebene allerdings wenig Spielraum für eine Einflussnahme.

Eva Viehoff (MdL und Gesundheitspolitische Sprecherin Bündnis 90/Die Grünen) diskutierte anschließend mit Hilke Schauland (1. Vorsitzende des Hebammenverbandes Niedersachsen), Helge Engelke (Niedersächsische Krankenhausgesellschaft), Katharina Desery (Mother Hood e.V.) und Sabine Scholz-de Wall (Aktionsbüro Gesundheit rund um die Geburt in Niedersachsen) über die aktuellen Herausforderungen in der geburtshilflichen Versorgung in Niedersachsen und den sich daraus ergebenden Konsequenzen für (werdende) Eltern, Hebammen, Ärzt:innen und geburtshilfliche Einrichtungen. Das besondere Augenmerk richtet sich dabei auf mögliche Stellschrauben, die den Weg zu einer frauzentrierten, qualitativ hochwertigen und zukunftsfesten geburtshilflichen Versorgung in Niedersachsen für alle (werdenden) Eltern möglich machen. Auch die Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen für die mit der Betreuung von (werdenden) Eltern beschäftigten Berufsgruppen und ihre interprofessionelle Kooperation wurden in den Blick genommen.

In den Beiträgen wurde deutlich, dass eine kontinuierliche und kompetente Betreuung durch Hebammen während Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett einen wesentlichen Beitrag zur Gesundheit von Mutter und Kind leistet.

Foto: Lindemann

Foto: Lindemann

Niedersächsischer Landtag verabschiedet den Entschließungsantrag zum „Landesaktionsplan Gute Geburt“

„Die Art und Weise, wie wir zur Welt kommen, spielt eine entscheidende Rolle." Mit diesen Worten beginnt der Antrag zum "Landesaktionsplan Gute Geburt: Eine gesunde und gute Geburt für Mütter und Kinder sicherstellen". Der Antrag der Fraktionen SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN zielt darauf ab, gemeinsam mit relevanten Akteur:innen einen umfassenden Aktionsplan für eine gute und sichere geburtshilfliche Versorgung in Niedersachsen zu entwickeln. Nach einer Anhörung im Ausschuss für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Gleichstellung (AfSAGuG) im Oktober 2025 und der Präsentation der Ergebnisse der Dialogwerkstatt Geburtshilfe im Dezember 2025 wurde der Antrag im Februar 2026 final im AfSAGuG beraten. Es bestand bei allen Fraktionen Einigkeit dazu, dass Handlungsbedarf besteht. Strittig blieb, wie dieser im Aktionsplan abgebildet werden soll und ob dort nicht bereits konkrete finanzielle Zusagen für die Umsetzung der sich daraus ergebenden Maßnahmen festgeschrieben werden sollten. Das Protokoll der 78. Sitzung ist bei den Niederschriften der Ausschüsse zu finden.

Am 4. März wurde der Antrag schließlich im niedersächsischen Landtagsplenum mit den Stimmen von SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN unter Enthaltung der anderen Fraktionen ohne Gegenstimmen verabschiedet. Ministerin Behrens, die in Vertretung des erkrankten Minister Dr. Philippi das Wort ergriff, benannte insbesondere vier Bausteine des Landesaktionsplans Gute Geburt, namentlich Versorgungsstrukturen, Telemedizin und Rettungskonzepte, Hebammenhilfe und Implementierung von zertifizierten Hebammenkreißsälen sowie die Steigerung der Gesundheitskompetenz von Familien. Ministerin Behrens betonte, dass Gesundheitsgerechtigkeit unabhängig von Wohnort und sozialer Herkunft dabei als großes Ziel im Blick behalten werden soll. Sie kündigte an, dass Minister Dr. Philippi noch in diesem Jahr mit den relevanten Akteur:innen und Expert:innen zum Landesaktionsplan ins Gespräch kommen möchte und stellte darüber hinaus in Aussicht, dass die Finanzierung der Umsetzung der im Aktionsplan zu benennenden Ziele im Doppelhaushalt 2027/2028 Berücksichtigung finden soll. Die Redebeiträge können im Plenar TV im Nachhinein angesehen werden (TOP 22).

Website

Die Website des Aktionsbüros Gesundheit rund um die Geburt in Niedersachsen wurde wie gewohnt aktualisiert und ergänzt, um die Informationen zu den Bereichen Schwangerschaft, Geburt und Elternschaft aktuell und umfangreich zu gestalten. Haben Sie einen Veranstaltungstipp? Nutzen Sie gern unser Kontaktformular, um uns darauf aufmerksam zu machen – wir veröffentlichen passende Hinweise gern auf unserer Website.

Wir laden Sie herzlich ein, unsere Seiten zu erkunden – und freuen uns über Ihr Feedback! Auch neue Themenvorschläge und Anregungen sind jederzeit willkommen.

   WISSENSCHAFT UND FORSCHUNG

Langzeitfolgen schwerer neonataler Morbidität: Sterberisiko bis ins Jugendalter erhöht

(Severe Neonatal Morbidity and All-Cause and Cause-Specific Mortality Through Infancy and Late Adolescence) Graham, H., Johansson, K., Persson, M. et al.

Eine aktuelle Kohortenstudie aus Schweden zeigt, dass das Sterberisiko nach einer schweren neonatalen Morbidität (SNM) trotz insgesamt höherer Überlebensraten bis ins Jugendalter erhöht bleibt und viele der betroffenen Kinder langfristig keinen stabilen Gesundheitszustand erreichen.

Zur SNM zählen unter anderem schwere Atemwegserkrankungen, Infektionen wie Sepsis oder bakterielle Meningitis, neurologische Komplikationen wie intraventrikuläre Blutungen oder hypoxisch-ischämische Enzephalopathie sowie Notfälle mit Reanimation oder Beatmung.

In die Analyse wurden rund 2,1 Millionen Geburten in Schweden zwischen 2002 und 2021 einbezogen. 49.225 Kinder (2,4 %) überlebten trotz SNM die ersten vier Lebenswochen, in den folgenden Jahren starben 3.618. Das Sterberisiko lag mit einer adjustierten Hazard Ratio (aHR) von 5,92 fast sechsmal höher als bei Kindern ohne SNM. Besonders hoch war das Risiko im ersten Lebensjahr (aHR 7,66), bei neurologischen Erkrankungen (aHR 17,67) sowie nach Reanimationen (aHR 5,00).

Auch nach dem 10. Lebensjahr blieb die Sterblichkeit signifikant erhöht (aHR 2,28). Die höchsten Risiken zeigten sich bei hypoxisch-ischämischer Enzephalopathie (aHR 17,79), nekrotisierender Enterokolitis (aHR 16,23) und Epilepsien/Krampfanfällen (aHR 14,29). Die Autor:innen betonen, dass überlebende Kinder nach schwerer neonataler Erkrankung langfristig medizinisch begleitet werden sollten.

Hyperemesis gravidarum: Hohe psychosoziale Belastung trotz intensiver Therapie

(Assessing the burden of severe nausea and vomiting of pregnancy or hyperemesis gravidarum and the associated use and experiences of medication treatments: An Australian consumer survey) Wills, L., Hsiao, H.-F., Thomas, A., Kay-Smith, C., Henry, A., Grzeskowiak, L. E.

Eine australische Online-Befragung verdeutlicht die erhebliche Belastung von Frauen mit Hyperemesis gravidarum (HG) und zeigt deutliche Lücken in der Wirksamkeit der aktuellen Therapieansätze auf. In der 2025 in PLOS One veröffentlichten Studie wurden 289 Frauen mit aktueller oder zurückliegender schwerer Schwangerschaftsübelkeit bzw. HG befragt; 38 % waren zum Befragungszeitpunkt schwanger, 72 % mussten im Verlauf hospitalisiert werden.

Mehr als die Hälfte der Befragten berichtete über massive Einschränkungen im Alltag, u. a. bei Arbeit, Haushalt, Kinderbetreuung, Partnerschaft und Schlaf. 62 % gaben an, häufig oder dauerhaft unter Angst oder Depression zu leiden. Besonders alarmierend: 54 % der Frauen zogen aufgrund der Symptome einen Schwangerschaftsabbruch in Betracht, 37 % wünschten eine vorzeitige Geburtseinleitung und 90 % überlegten, keine weiteren Kinder zu bekommen.

Die medikamentöse Behandlung war intensiv, aber oft unzureichend wirksam: Im Durchschnitt erhielten die Frauen vier verschiedene Antiemetika, teilweise bis zu neun. Am häufigsten eingesetzt wurden Ondansetron, Pyridoxin, Doxylamin und Metoclopramid. Als vergleichsweise wirksam wurden Ondansetron, Doxylamin und Kortikosteroide bewertet, während Pyridoxin und Ingwer deutlich schlechter abschnitten. Nebenwirkungen führten nicht selten zum Absetzen der Medikation.

Die Autor:innen betonen den dringenden Bedarf an individualisierten, wirksameren Behandlungsstrategien sowie an einer stärkeren Berücksichtigung der psychischen Belastung betroffener Frauen.

Perinatale psychische Belastungen: häufiger als gedacht

(Postnatal Intrusive Thoughts and Psychotic-Like Experiences: Exploring Associations with Parenting Experiences and Mental Health) Foreman, I., Hunt, T., Peterkin, J. & Hodgekins, J.

Eine neue Studie im Community Mental Health Journal zeigt, wie verbreitet psychische Belastungen bei Eltern im ersten Jahr nach der Geburt wirklich sind und wie stark sie das elterliche Erleben beeinflussen. Foreman et al. (2025) befragten 349 Eltern zwölf Monate postpartal mittels Online-Fragebogen zu intrusiven Gedanken, psychoseähnlichen Erfahrungen sowie elterlicher Kompetenz, Stress, Depression und Angst.

Die Ergebnisse sind bemerkenswert: 96 % der Befragten berichteten über mindestens einen intrusiven Gedanken, bei 90,8 % war dieser mit Leidensdruck verbunden. Der häufigste Gedanke: „Das Baby könnte aufhören zu atmen", trat bei 93,4 % auf. Noch auffälliger: 89 % erlebten mindestens eine psychoseähnliche Erfahrung, fast 30 % wurden als risikobehaftet für eine Psychoseentwicklung eingestuft. Beide Phänomene weisen einen Zusammenhang mit geringer wahrgenommener Elternkompetenz, erhöhtem Stress sowie depressiven und Angstsymptomen auf. Bemerkenswert war auch der Geschlechterunterschied: Väter berichteten häufiger über intrusive Gedanken und stärkere psychische Belastung als Mütter.

Die Studie unterstreicht, was klinisch längst diskutiert wird: Postnatales Screening sollte über Depression hinausgehen und ein breiteres Symptomspektrum inklusive Zwangsphänomene und subklinische Psychoseerfahrungen erfassen.

   BEST PRACTICE

In dieser Rubrik wird ein Best-Practice-Beispiel beschrieben, das dazu beiträgt, das Angebot und/oder die Unterstützung rund um Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und erstes Lebensjahr in einer Region zu verbessern. In diesem Newsletter werden die Angebote „Kostenfreie sozialtherapeutische Beratungshotline für Alleinerziehende“ und „HerzRaum – Frei von Angst. Frei zum Reden. Frei zum Informieren.“ des Verbandes alleinerziehender Mütter und Väter, Landesverband Niedersachsen e.V. (VAMV) vorgestellt.

Der VAMV Landesverband Niedersachsen e. V. ist seit 1973 eine Selbsthilfeorganisation und Interessenvertretung für Alleinerziehende in Niedersachsen. Alleinerziehende können sich hier u. a. beraten lassen, sich vernetzen und austauschen, einen Zuschuss zur Familienerholung beantragen und/oder an einer vom Verband organisierten Familienfreizeit teilnehmen. Die zum Landesverband gehörenden Ortsverbände und Kontaktstellen organisieren Treffen, wie beispielsweise Einelterncafés, Workshops und gemeinsame Unternehmungen. Es gibt aktuell zwei Projekte, die der Landesverband außerdem anbietet.

Das erste ist die Kostenfreie sozialtherapeutische Beratungshotline für Alleinerziehende. Gerade Alleinerziehende stehen oft vor großen psychischen Belastungen. Die Hotline bietet niedrigschwellige, telefonische Unterstützung ohne lange Wartezeiten oder Anfahrtswege mit der Möglichkeit zu ebenfalls kostenfreien Folgeberatungen. Die Hotline wird von einer Psychologin und einer Familientherapeutin betreut. Die Beraterinnen unterstützen individuell. Wenn sich ein erhöhter Bedarf zeigt, übernehmen sie eine Lotsenfunktion. Gefördert wird die Hotline vom Niedersächsischen Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Gleichstellung. Erreichbar ist die Hotline in geraden Kalenderwochen freitags von 10–12 Uhr und in ungeraden Kalenderwochen montags von 14:30–16:30 Uhr unter 0541 20239004.

Das andere Angebot HerzRaum – Frei von Angst. Frei zum Reden. Frei zum Informieren. bietet gewaltbetroffenen Frauen, Müttern und auch Angehörigen fachlich moderierte Online-Themen-Treffen mit Raum zum Austausch, Informieren und Zuhören. Die Betroffenen haben keinen Anfahrtsweg, können auch anonym teilnehmen und müssen sich nicht anmelden. Monatlich ist der Online-Raum für 1,5 Stunden geöffnet und es gibt anfangs einen kurzen Input zu verschiedenen Themen. Zusätzlich sind 1:1-Gespräche mit der Referentin Mary außerhalb der regulären Termine telefonisch, online oder persönlich möglich. Diese zusätzliche Möglichkeit zur 1:1 Beratung ist wichtig, da so individuell, zeitlich flexibler und schnell unterstützt werden kann. Weitere Infos zu den Terminen, Themen, Referent*innen und die Kontaktdaten für die 1:1 Beratung sind auf der Homepage zu finden (www.vamv-niedersachsen.de). Das Angebot wird von der Stiftung Stahlwerk Georgsmarienhütte gefördert.

   MEDIENTIPP

Dokumentarfilm „Wise Woman: Fünf Hebammen, fünf Kulturen“

Titelbild des BucDokumentarfilm „Wise Woman: Fünf Hebammen, fünf Kulturen“htipps: Ein Baby! Wie eine Familie entsteht

Dieser eindrucksvolle Dokumentarfilm rückt fünf Hebammen aus unterschiedlichen Teilen der Welt in den Mittelpunkt, die eines verbindet: ihre große Erfahrung und ihr Engagement für Frauen während der Geburt. Regisseurin Nicole Scherg begleitet Hebammen aus Äthiopien, Marokko, Nepal, Österreich und Brasilien und gibt Einblicke in ihren Arbeitsalltag – von technisch geprägten Kliniksettings über selbstverwaltete Geburtshäuser bis hin zu Geburten unter einfachen Bedingungen in ländlichen Regionen.

Der Film zeigt Geburt als einen natürlichen und zugleich hoch individuellen Prozess, der überall auf der Welt unterschiedlich gestaltet wird und doch universell ist. Mit großer Sensibilität macht er sichtbar, welche zentrale Rolle Hebammen in diesen besonderen Momenten einnehmen: Sie geben Halt, Orientierung und Sicherheit in einer Situation, die sich nicht vollständig planen lässt. Ein berührender Film über Geburt, Verantwortung und die Frauen, die Menschen auf ihrem ersten Weg ins Leben begleiten.

Muttermilch. ozeanisch grenzenlos

Muttermilch. ozeanisch grenzenlos

Die Hebamme, Autorin und Illustratorin Birgit Heimbach gibt einen umfangreichen Überblick zu den wichtigsten Inhaltsstoffen der Muttermilch. Dabei verknüpft sie die Texte mit außergewöhnlichen Illustrationen, so dass auch komplexe Inhalte über Laktose, Casein und andere Proteine, Oligosaccharide, Mineralien, Fette und Vitamine sowie weitere wichtige Komponenten mithilfe von Assoziationen, Wortspielen und ungewöhnlichen Bildern leichter im Gehirn verankert werden können. (SdW)

BIRGIT HEIMBACH: Muttermilch. ozeanisch grenzenlos. Selbstverlag, Hamburg, 2025, 100 Seiten, 15,00 Euro

Dein Zyklus Dein Wissen: Deine Regel(n) verstehen – Selbstfürsorge lernen

Dein Zyklus Dein Wissen: Deine Regel(n) verstehen – Selbstfürsorge lernen

Zwei Physiotherapeutinnen nehmen ihre Leser:innen mit auf eine fundierte, aber erfrischend zugängliche Reise durch den Menstruationszyklus. Von Anatomie über Hormone bis hin zu Schlaf, Ernährung und Sexualität – das Buch vermittelt evidenzbasiertes Grundlagenwissen in einem nahbaren Schreibstil, der weder belehrt noch überfordert. Anschauliche Abbildungen und praxisnahe Beispiele machen komplexe Zusammenhänge greifbar. Besonders gelungen: die gezeichneten Darstellungen weiblicher Anatomie, die sachlich und einladend zugleich sind. Ein empfehlenswerter Ratgeber für Fachkräfte, die ihren Patient:innen niedrigschwellige Lektüre zur Körperwahrnehmung empfehlen möchten. (Fil) LEONI JANOWICZ, DONATA NEHM: Dein Zyklus Dein Wissen: Deine Regel(n) verstehen – Selbstfürsorge lernen. tredition GmbH, Ahrensburg, 2025,184 Seiten, 24,00 Euro

█    Sie haben auch ein tolles Buch gelesen, dass Sie gern weiterempfehlen möchten? Wir freuen uns über Ihren Buchtipp!

   VERSCHIEDENES

Zentrum für Ernährung und Hauswirtschaft (ZEHN) veröffentlicht Fokusheft Ernährungsarmut

Eine gesundheitsfördernde und nachhaltigere Ernährung für alle Menschen – das ist das Ziel von Niedersachsens Ernährungsstrategie. Das ZEHN hat das gesellschaftspolitisch wichtige Thema Ernährungsarmut aufgegriffen und schreibt mit dem Fokusheft Ernährungsarmut Niedersachsens Ernährungsstrategie fort.

Bei den Handlungsempfehlungen findet sich auch der Unterpunkt "Die ersten tausend Tage in den Blick nehmen". Hier hatte das Aktionsbüro Gelegenheit, Impulse zur Ernährung in der Schwangerschaft und zum Stillen einzubringen.

Das Heft liegt im digitalen Format und als Printausgabe vor und kann kostenlos über die WebSite des ZEHN heruntergeladen oder direkt bei maren.buerster@zehn-niedersachsen.de bestellt werden.

NDR berichtet über Gewalterleben im Kreißsaal

Im Hamburg-Journal griff der NDR am 29. Januar das Thema Gewalterleben im Kreißsaal auf, das nach Studienlage jede vierte Frau betrifft. Eine betroffene Frau berichtet in dem Beitrag von ihrer zweiten Geburt, die durch körperliche und seelische Übergriffe zu einem Geburtstrauma führte, das die Frau langfristig schwer beeinträchtigt.

Sorgfältige Aufklärung, Einholen von Einverständnis vor Untersuchungen und insgesamt respektvoller Umgang mit den Gebärenden sind wichtige Stellschrauben, die helfen, Gewalt zu verhindern. Vorgestellt wird in dem Beitrag auch das Lernmodul "Menschenwürdig gebären", das an der Hamburg Open Online-University angeboten wird und Hebammen und Ärzt:innen Schlüsselkompetenzen zum respektvollen und gewaltfreien Umgang vermitteln möchte.

Vorgestellt wird in dem Beitrag auch Mascha Grieschat. Sie hat nach eigenen Gewalterfahrungen den Verein Gerechte Geburt e.V. gegründet, trägt Erfahrungsberichte zusammen, kämpft für eine bessere Aufarbeitung von Gewalterfahrungen und arbeitet auch an einer Verfassungsbeschwerde gegen Gewalt bei der Geburt.

6. Februar: Internationaler Tag gegen weibliche Genitalverstümmelung

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind weltweit ca. 230 Millionen Mädchen und Frauen beschnitten und jedes Jahr sind weitere vier Millionen Mädchen gefährdet, Opfer einer Beschneidung zu werden. Die sogenannte "Female Genital Mutilation" (FGM, dt.: Genitalverstümmelung) oder das "Female Genital Cutting" (FGC, dt.: Genitalbeschneidung) wird in 30 Ländern Afrikas, des Mittleren Ostens und Asiens praktiziert und hat oft sehr schwerwiegende körperliche und seelische Gesundheitsschäden bis hin zu Todesfällen zur Folge.

Genitalverstümmelung existiert auch in Deutschland, obwohl es sich hierbei um eine Straftat handelt. Seit 2003 wird in jedem Jahr am 6. Februar durch den "Internationalen Tag gegen weibliche Genitalverstümmelung" auf diese Form der Menschenrechtsverletzung aufmerksam gemacht. Bei PLAN INTERNATIONAL gibt es eine sehr umfassende, kostenlose Broschüre zum Thema.

   VERANSTALTUNGEN

Webinar: Update Wochenbett

   24. März 2026, 9:00-12:30 Uhr, online

In den letzten Jahren haben sich die Anforderungen an die Wochenbettbetreuung durch Hebammen erheblich verändert. In diesem Webinar der Staude Akademie beleuchtet Daniela Erdmann (Hebamme, zentrale Praxisanleiterin für Angewandte Hebammenwissenschaft an der Universität Köln sowie Referentin und freie Dozentin für Hebammenversorgung und Digitalisierung) die aktuellen inhaltlichen und strukturellen Anforderungen und zeigt, welche wissenschaftlichen Erkenntnisse und Studien relevant sind. Sie erfahren, wie physiologische Prozesse gezielt unterstützt werden können und wie das Konzept des Empowerments in der Betreuung umgesetzt werden kann. Anhand praxisnaher Fallarbeiten erarbeiten Sie, wie Diagnose- und Therapieansätze auf Basis von Leitlinien, Evidenzen und Ihrer eigenen Erfahrung sinnvoll in der Wochenbettbetreuung angewendet werden.

Webinar: Frühkindliche Regulationsstörungen

   25. März 2026, 9:00-12:30 Uhr, online

Frühkindliche Regulationsstörungen betreffen rund jedes fünfte Kind und stellen insbesondere durch anhaltendes, schwer zu beruhigendes Schreien eine große Belastung für Familien dar. Hebammen begegnen diesen Herausforderungen in der Wochenbettbetreuung häufig und nehmen dabei eine zentrale unterstützende Rolle ein.

In diesem Webinar der Staude Akademie vermittelt die Ärztin Dr.in med. Daniela Dotzauer fundierte Kenntnisse zur Säuglingsentwicklung sowie zu dem Zusammenspiel von Schlaf-, Fütter- und Verhaltensauffälligkeiten, die sich oftmals gegenseitig beeinflussen. Ziel ist es, Hebammen darin zu stärken, Eltern fachlich fundiert zu begleiten, Krisensituationen besser einzuordnen und Phasen von Unruhe verständlich zu machen, um langfristigen Belastungen der Eltern-Kind-Beziehung vorzubeugen.

Patient*innenorientierung im Gesundheitssystem. Wege zu einer zugänglichen, sicheren und fairen Versorgung

   13. April 2026, 19:00-20:30 Uhr, online

Patient:innen erleben das Gesundheitssystem oft als unübersichtlich, schwer zugänglich und nicht immer am eigenen Bedarf orientiert. Zwar gibt es zahlreiche Reformvorschläge und gesetzgeberische Aktivitäten – doch was hilft tatsächlich aus Patient:innensicht?

Die digitale Veranstaltungsreihe stellt die Frage in den Mittelpunkt: Wie gelingt ein Gesundheitssystem, das sich konsequent an den Bedürfnissen der Patient:innen ausrichtet? Dabei geht es um Orientierung, Gerechtigkeit, Zugang, Sicherheit – und gute Praxisbeispiele.

Die letzte von drei Online-Veranstaltungen trägt den Titel „Sicherheit, Rechte, Vertrauen – Wie Patieent:innen geschützt werden können“ und beleuchtet in zwei Impulsvorträgen zentrale Herausforderungen und Lösungsansätze. Expert:innen aus Forschung, Versorgung und Beratung diskutieren, was Patient:innenorientierung im Alltag konkret bedeutet. Abendreihe in Kooperation mit der Evangelischen Akademie Berlin.

Mütter brauchen Netzwerke – Wenn das Leben aus dem Gleichgewicht gerät: Geburtsnachbereitung für erschöpfte Eltern

   15. April 2026, 16:00-17:30 Uhr, online

Geburt und Mutterwerden verändern alles. Sie bringen Freude, Liebe und Hoffnung – aber auch Abschiede, Unsicherheiten und tiefgreifende Veränderungen mit sich. Gesundheit, Familie, Lebensbedingungen und das eigene Selbstbild geraten oft in Bewegung. Mutterwerden ist kein einzelner Moment, sondern ein langer Weg – ein Prozess, der manchmal überfordert.

Notruf Mirjam ist ein Netzwerk für Schwangere und Mütter in Extremsituationen. Sie begleiten und unterstützen Schwangere und Mütter in finanziellen Notlagen, alleinerziehende Mütter, Frauen, die vor der schweren Entscheidung stehen, ihr Kind abzugeben sowie Mütter, die sich in einer psychischen Krise befinden und dringend Hilfe brauchen.

In dieser Mittwochsfortbildung des Aktionsbüros stellen Judith Rohde und Corinna Brezenjie die Arbeit von Notruf Mirjam vor und sprechen darüber, warum es so wichtig ist, dass Schwangere und Mütter nicht allein bleiben. Sie zeigen auf, wie konkrete Hilfe aussehen kann – durch Gespräche, finanzielle Unterstützung und, wenn es nötig ist, ein schützendes Dach über dem Kopf. Konkret berichten sie auch über das Good-practice-Beispiel der Online-Austauschgruppe in der Region Hannover. Die Fortbildung richtet sich an Fachkräfte aus dem geburtshilflichen, psychosozialen und beratenden Kontext.

Webinar: Ihr (Wieder-)Einstieg in die freiberufliche Wochenbettbetreuung

   16. April 2026, 9:00-12:30 Uhr, online

Dieses Webinar der Staude Akademie richtet sich an Hebammen, die ihren (Wieder-)Einstieg in die freiberufliche Tätigkeit planen. Es vermittelt einen praxisnahen Überblick über die fachlichen, organisatorischen und rechtlichen Aspekte der freiberuflichen Wochenbettbetreuung. Sie erfahren, welche Schritte für Anmeldung, Abrechnung und digitale Dokumentation notwendig sind, erhalten Einblicke in verschiedene Arbeitsmodelle und lernen, wie Sie betriebswirtschaftliche Grundlagen, Businessplanung und realistische Kalkulationen erfolgreich umsetzen. Die erfahrene Hebamme, QM-Auditorin und Praxisanleiterin Daniela Erdmann begleitet Sie dabei und bietet zudem Raum für kollegialen Austausch.

Klimawandel und Gesundheit

   28. Mai und 24. September 2026, 9:00-12:15 Uhr, online

Auch die Gesundheit der Menschen ist auf vielfältige Weise durch den Klimawandel stark beeinflusst, sei es durch Hitzestress, Luftverschmutzung oder die Summierung von Infektionskrankheiten. Besonders Schwangere sind gefährdet, da extreme Temperaturen Kreislaufprobleme, Frühgeburten und Fehlgeburten begünstigen können.

Dieses Seminar des HVN widmet sich dem Thema und vermittelt Hebammen umfassendes Wissen zu den Auswirkungen des Klimawandels auf Schwangere, Mütter und Kinder sowie praxisnahe Handlungsoptionen. Es beleuchtet, wie Hitzestress, Luftverschmutzung, Infektionsrisiken und Naturkatastrophen die Gesundheit von Schwangeren und die Entwicklung von Kindern beeinflussen können. Die Teilnehmenden erhalten Einblicke in präventive Maßnahmen, lernen, Familien über Hitzeschutz, ausreichende Flüssigkeitszufuhr und gesunde Ernährung aufzuklären, und erfahren, wie sie durch Beratung, Netzwerkarbeit und politische Beteiligung die gesundheitlichen Risiken für Kinder und Familien reduzieren können.

Heiße Tage, klare Worte: Wie Kommunikation Gesundheit schützen kann

   04. Juni 2026, 10:00-15:00 Uhr, Hannover

Wie können besonders von Hitze betroffene Menschen besser erreicht werden? Diese Frage steht im Mittelpunkt der Tagung „Heiße Tage, klare Worte“. Neben Impulsen zu wirksamer Kommunikation werden praktische Ansätze vorgestellt. In vier Workshops geht es unter anderem um Schwangere und Neugeborene, wo Silvia Viehs von der Hebammenzentrale Hannover und Larissa Federmann von der LVG & AFS wertvolle Einblicke geben. Veranstaltet wird die Tagung vom Niedersächsischen Aktionsforum Gesundheit und Klima (NAGuK) gemeinsam mit Partnerorganisationen aus Gesundheitswesen und Politik.

Weiterer Veranstaltungen finden Sie auf unserer Website.

   IM GESPRÄCH MIT ...

Porträtfoto von Frau Julia Kuhnt

Julia Kuhnt
Vorsitzende beim Verband alleinerziehender Mütter und Väter, Landesverband Niedersachsen e.V. (VAMV)

Aktionsbüro: Bitte stellen Sie sich mit drei Sätzen vor!

Julia Kuhnt: Ich bin Julia Kuhnt, 50 Jahre alt und alleinerziehend mit zwei Kindern im Alter von 9 und 18 Jahren. Ich bin seit 2022 Vorsitzende beim Verband alleinerziehender Mütter und Väter (VAMV) Landesverband Niedersachsen e. V. und hauptberuflich Fachbereichsleitung im Bereich Kultur und Ehrenamt.

Aktionsbüro: Mit wem würden Sie gern mal eine Stunde über Ihre Wünsche zum Thema „Gesundheit rund um die Geburt“ sprechen?

Julia Kuhnt: Mit der Gesundheitsministerin Nina Warken.

Aktionsbüro: Um welches Thema würde sich dieses Gespräch maßgeblich drehen?

Julia Kuhnt: Nach der Geburt verändert sich das Leben von Müttern grundlegend. Bei Alleinerziehenden ist das noch mal stärker spürbar, weil sie die Fürsorge und Verantwortung allein tragen. Mütter sind mit vielen (neuen) Aufgaben konfrontiert und es fehlt aus meiner Sicht weitgehend an Angeboten speziell für Mütter mit Säuglingen – zum Beispiel Möglichkeiten, sich für kurze Zeit eine Auszeit zu gönnen. Der Bereich der Alltagsunterstützung direkt nach der Geburt muss für Alleinerziehende deutlich stärker in den Fokus rücken. Nicht jede Frau hat ein starkes Netzwerk, das sie unterstützt. In meiner ehrenamtlichen Arbeit beim VAMV bekomme ich häufig Anfragen von Alleinerziehenden mit Säuglingen und merke, dass ich dabei auch an meine Grenzen stoße, wie ich unterstützen und was ich den alleinerziehenden Müttern raten kann. Eine Tagesmutter kann eine Entlastung bringen, ist aber oft an die Erwerbstätigkeit der Mutter geknüpft. Dies wiederum ist bei Alleinerziehenden nicht selten eine große Hürde und erfordert viel Planung, Organisation – und vor allem Unterstützung. Bei den ganzen Aufgaben, die eine alleinerziehende Mutter eben meistens allein meistern muss, kann es schnell zu einer Überforderung und Überbelastung kommen, was sich auch auf das Wohlbefinden und die Gesundheit auswirken kann. Außerdem stelle ich mir eine wichtige Frage: Gibt es ausreichend Unterstützung, wenn eine alleinerziehende Mutter unerwartet ins Krankenhaus muss? Kennen die frischgebackenen Mütter diese Angebote? Es muss viel mehr informiert werden – es sind Frauen, die Mütter geworden sind, also ein ganz neuer Lebensabschnitt mit großer Verantwortung. Hier ist individuelle und gezielte Unterstützung vor, während und nach der Geburt absolut wichtig.

Aktionsbüro: Wenn Sie sich von Ihrem Gesprächspartner eine Sache wünschen dürften: Was wäre das?

Julia Kuhnt: Ich wünsche mir, dass Alleinerziehende, die den Bedarf haben, in den ersten drei Lebensjahren ihres Kindes, am besten auf ärztliche Verschreibung, wöchentlich 2–3 Stunden Entlastung durch eine Alltagshelferin erhalten. Die alleinerziehende Mutter soll entscheiden können, ob die Unterstützung im Haushalt, mit den Kindern oder bei anderen Aufgaben erfolgen soll. Dies soll unbürokratisch und zuverlässig möglich sein. 

Aktionsbüro: Was wird Ihr nächstes Projekt?

Julia Kuhnt: Wir haben beim VAMV aktuell zwei tolle Projekte. Das eine ist die „Kostenfreie sozialtherapeutische Beratungshotline für Alleinerziehende“, die vom Niedersächsischen Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Gleichstellung gefördert wird, und das andere ist das Projekt „HerzRaum – Frei von Angst. Frei zum Reden. Frei zum Informieren.“, welches gewaltbetroffene Frauen unterstützt und von der Stiftung Stahlwerk Georgsmarienhütte gefördert wird. 

Aktionsbüro: Danke Julia Kuhnt!

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Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen Bremen e. V. 
Geschäftsführer: Thomas Altgeld 
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Die Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen Bremen e. V. (LVG & AFS Nds. HB e. V.) ist ein gemeinnütziger, unabhängiger und landesweit arbeitender Fachverband für Gesundheitsförderung, Prävention und Sozialmedizin mit Sitz in Hannover. Mitglieder sind Institutionen und Personen aus dem Gesundheits-, Sozial- und Bildungsbereich.