Newsletter
02 / 2025

Logo, Aktionsbüro Gesundheit rund um die Geburt
Ein kleines Mädchen lauscht gespannt am Bauch einer schwangeren Frau

Liebe Leser:innen,

sowohl der enttäuschende Koalitionsvertrag, der zwar die flächendeckende Sicherung mit Hebammenversorgung zusichert und die Geburtshilfe immerhin der Grundversorgung zuordnet, sie ansonsten aber trotz des riesigen Reformbedarfs gerade mal als Randnotiz behandelt, als auch der fatale Schiedsspruch zum Hebammenhilfevertrag haben uns im Frühling ein paar sehr dunkle Wolken beschert. Ein Lichtblick war der sehr gut besuchte und hochkarätig besetzte Interdisziplinäre Fachtag Schwangerenvorsorge, den wir gemeinsam mit dem Hebammenverband Niedersachsen e. V. und dem Berufsverband der Frauenärzte e. V. ausrichten durften. Ein Bericht dazu findet sich in der Rubrik Aktuelles.

Ein Schwerpunkt in diesem Newsletter ist das Thema Frauenmilchbanken, von denen es in Niedersachsen an den derzeit insgesamt 13 Perinatalzentren der Level1-Kliniken bisher erst vier gibt. Im Best-Practice-Beispiel stellt sich die Frauenmilchbank der Kinder- und Jugendklinik AUF DER BULT vor und für das Interview konnten wir Herrn Dr. Rudolf Ascherl aus der Abteilung Neonatologie der Universität Leipzig gewinnen. Des Weiteren informieren wir zur Bereitstellung von Frauenmilch in Pulverform und zu Fortifiern aus Frauenmilch. Zu diesem Thema konnten wir uns direkt bei Herrn Professor Dr. Christoph Fusch, dem Chefarzt der Klinik für Neugeborene, Kinder und Jugendlich am Klinikum Nürnberg auf den neusten Stand bringen lassen und berichten dazu in der Rubrik Netzwerkarbeit.

Für den Juni stehen im Aktionsbüro einige personelle Veränderungen an. Wir verabschieden Laura Babbick in die Elternzeit. Unser Dank und unsere besten Wünsche für die Geburt und den Start in das Familienleben begleiten sie. Ihre Stelle wird während der Elternzeit von Finnja Lindemann übernommen, die nach dem erfolgreichen Abschluss ihres Masterstudiums nun aus ihrer Tätigkeit als studentische Mitarbeiterin in die Rolle der Fachreferentin wechselt. Als neue studentische Mitarbeitende konnten wir Emely Gerlach für unser Team gewinnen. Wir freuen uns auf die Weiterarbeit in dieser neuen Konstellation.

Wenn Sie Wünsche, Kommentare, Tipps und Beiträge für die nächste Newsletter-Ausgabe haben, schreiben Sie gerne eine E-Mail an: aktionsbuero-geburt@gesundheit-nds-hb.de.

Viel Spaß beim Lesen und einen sonnigen Sommer wünscht Ihnen das Team vom Aktionsbüro Gesundheit rund um die Geburt in Niedersachsen!

Besuchen Sie auch die Website des Aktionsbüros Gesundheit rund um die Geburt in Niedersachsen.

   AKTUELLES AUS DEM AKTIONSBÜRO

Am 21. Mai fand die zweite digitale Mittwochsfortbildung mit dem Titel Das nachgeburtliche Gespräch – Eltern stärken und Geburtserfahrungen besprechen wie gewohnt im digitalen Format statt. Die überwältigend starke Nachfrage bestätigte die hohe Brisanz und Aktualität des Themas. Andrea Noack, Familienhebamme, Säuglingstherapeutin und Eltern-Kind-Beziehungstherapeutin von der Medizinischen Universität Lausitz - Carl-Thiem-Klinikum stellte unterstützt durch den Chefarzt der Frauenklinik Dr. Jörg Schreyer ein Konzept für ein professionell begleitetes Geburtsnachgespräch vor, das Eltern die Möglichkeit gibt, die eigene Geburtsgeschichte zu rekonstruieren und ihre Geburtserlebnisse zu verarbeiten. Bisher gibt es noch wenig Forschungsergebnisse zu dieser Thematik und auch keine Abrechnungsmöglichkeit. In der Medizinischen Universität Lausitz - Carl-Thiem-Klinikum wurde trotz dieser Hindernisse ein Rahmen für das regelhafte Angebot eines nachgeburtlichen Gespräches gefunden, über den sich die Teilnehmenden ausführlich informieren und dazu diskutieren konnten.

Auch der Interdisziplinäre Fachtag Schwangerenvorsorge fand am 11. Juni mit einer großartigen Resonanz statt. Die Veranstaltung wurde in Zusammenarbeit mit dem Hebammenverband Niedersachsen e.V. (HVN) und dem Berufsverband der Frauenärzte (BVF) vorbereitet und durchgeführt und wird unter dem Punkt Netzwerkarbeit ausführlicher beschrieben.

   NETZWERKARBEIT

Vielfalt als Stärke: Frauen prägen Niedersachsens politische Landschaft

Für den 24. März hatten Anne Kura und Dr.in Tanja Meyer von der grünen Landtagsfraktion zu einer frauenpolitischen Veranstaltung in den Landtag eingeladen, um über das Thema Gleichstellung z.B. in den Bereichen Agrar, Umwelt, Kommune, Bildung oder Gesundheit zu diskutieren. Die überwiegend weiblichen Gäste kamen in kleinen Gruppen moderiert von Expert:innen ins Gespräch. Die Arbeitsergebnisse sollen dazu beitragen, eine feministische Politik zu stärken.

Treffen des Aktionsbündnisses Gesundheit rund um die Geburt in Niedersachsen

Nach längerer Pause hatte Veronika Bujny, die Sprecherin des Aktionsbündnisses Gesundheit rund um die Geburt in Niedersachsen, die Bündnispartner:innen am 25. März zu einer Zusammenkunft in Präsenz in Hannover eingeladen. Um die neu hinzugekommenen Personen gut mitzunehmen, gab Veronika Bujny zunächst einen Rückblick auf die Entstehungsgeschichte des Bündnisses und die in der Vergangenheit bearbeiteten Eckpunkte und Meilensteine wie der Mitarbeit bei der Umsetzung der Akademisierung des Hebammenberufes und die Initiierung der Einrichtung des Aktionsbüros, um die Umsetzung des nationalen Gesundheitsziels Gesundheit rund um die Geburt und einen Landesaktionsplan voranzubringen. Weitere Themen waren die bundespolitische Situation und deren Auswirkungen auf die geburtshilfliche Versorgung in Niedersachsen und die Auswirkungen der GB-A-Richtlinie über Maßnahmen zur Qualitätssicherung der Versorgung von Früh- und Reifgeborenen, die die Betreuungsmöglichkeiten in Level-4-Kliniken weiter einschränkt. Auch über den nach wie vor insbesondere in ländlichen Regionen weiter bestehende Hebammenmangel sowie Erfahrungen bzgl. der Schwangerenvorsorge in Niedersachsen wurde gesprochen. Die nächste Zusammenkunft wird wieder online stattfinden, der Termin wird noch bekannt gegeben.

Dritter Austausch Frühe Hilfen, Präventionsketten, KGC, LSPK und Aktionsbüro

Anfang April fand wieder ein Austauschtreffen mit den Frühen Hilfen und verschiedenen Projekte der LVG & AFS Nds. HB e.V. statt. Die Teilnehmenden informierten sich über ihre derzeitigen Tätigkeiten und gaben sich gegenseitig wertvolle Impulse. Die Treffen finden seit 2024 zweimal jährlich statt und haben das Ziel, Synergieeffekte zu nutzen.

Stark ins Leben starten: Kuhmilchfreie Ernährung für Frühgeborene
Ein Informationsgespräch mit Prof. Dr. Christoph Fusch, Chefarzt der Klinik für Neugeborene, Kinder und Jugendliche am Klinikum Nürnberg

In der Klinik für Neugeborene, Kinder und Jugendliche am Klinikum Nürnberg erhalten Frühgeborene, die (noch) nicht ausreichend Milch der eigenen Mutter bekommen, eine besondere Form der Ernährung. Neben Spenderinnenmilch aus der klinikeigenen Humanmilchbank wird dort auch aus Frauenmilch gewonnene Pulvernahrung eingesetzt, die mit Fortifiern aus Humanmilch (Human Milk Fortifier, HMF) angereichert wird. Es wurde gezeigt, dass schon die Ernährung mit humaner Milch – sei es als Milch der eigenen Mutter oder als Spenderinnenmilch – bei diesen Kindern die Häufigkeit der katastrophalen nekrotisierenden Enterokolitis (NEC) ungefähr um die Hälfte reduziert. Durch den zusätzlichen Einsatz von humanem Fortifier kann nun vollständig vermieden werden, den unreifen Darm der Frühgeborenen artfremdem Eiweiß auszusetzen, und es gibt Hinweise darauf, dass dies die NEC-Komplikation weiter reduziert oder vollkommen eliminiert. So ist z.B. am Klinikum die Häufigkeit von pro Jahr 2 bis 4 NEC-Fällen seit dem Jahr 2020 konstant auf null gesunken.

Zusätzlich ist das Klinikum dabei führend, die Empfehlungen der European Milk Bank Association (EMBA) umzusetzen, die eine Individualisierung der Fortifikation zur Optimierung der Nährstoffaufnahme empfiehlt. Diese ist notwendig, weil der Nährstoffgehalt von Muttermilch natürlicherweise sehr stark schwankt und so fast die Hälfte der kleinen Frühgeborenen nicht immer ausreichend versorgt wird. "Targeted Fortification" misst regelmäßig den Gehalt von Muttermilch, so dass die Nahrung auf die spezifischen Bedürfnisse des einzelnen Kindes abgestimmt und passgenau angemischt werden kann, um den erhöhten Energie- und Nährstoffbedarf der Frühgeborenen zu decken, oder z. B. bei herzkranken Kindern trotz geringerer Flüssigkeitszufuhr eine ausreichend hoher Nährstoffdichte zu erreichen. Die „Targeted Fortification“ standardisiert den Nährstoffgehalt und dadurch auch die Nährstoffzufuhr und stellt so ein ausgezeichnetes Wachstum sicher. Letzteres hat einen entscheidenden Einfluss auf die intellektuelle Entwicklung der Kinder und ist zudem auch für die Eltern ein gut sichtbarerer und beruhigender Indikator für die Entwicklung ihres intensivmedizinisch betreuten Kindes.  

Der Einsatz von pulverisierter Frauenmilch und HMF wird aktuell in dieser Form nur in der Klinik für Neugeborene, Kinder und Jugendliche am Klinikum Nürnberg angeboten. Begleitend werden die Ergebnisse im Rahmen einer klinischen Studie ausgewertet, um wissenschaftlich zu beweisen, dass dieses Ernährungskonzept eine sichere und effektive Methode darstellt, die Ernährung von Frühgeborenen und kranken reif geborenen Säuglingen zu verbessern. Die Herstellung der Produkte aus Humanmilch erfolgt nach strengen Standards in Deutschland. Alle Spenderinnen müssen gesund sein und über einen Milchüberschuss über den Bedarf des eigenen Kindes hinaus verfügen. Ihre Milch wird unter Einhaltung strenger Hygienestandards gesammelt, tiefgefroren transportiert und anschließend in einem patentierten Verfahren gefriergetrocknet. Dabei kommen moderne mikrobiologische Filter-, Trenn- und Wärmetechniken zum Einsatz, die mögliche Keime entfernen, aber gleichzeitig die wichtigen Immunstoffe erhalten. Durch die pulverisierte Form sind die Humanmilch-Fortifier haltbar und ähnlich gut lagerfähig wie die Fortifier aus Kuhmilch, allerdings aufgrund der hohen Herstellungskosten derzeit noch sehr teuer. Studien aus anderen Ländern haben diesen Kosten jedoch die Kosten für die medizinische Betreuung eines an NEC erkrankten Kindes oder den langfristigen Folgen einer Mangelernährung gegenübergestellt. Danach scheint sich für die betroffenen Kinder, ihre Familien und die Gesellschaft insgesamt eine positive Bilanz zu ergeben – sowohl medizinisch als auch ökonomisch. Im Hinblick auf die Knappheit von Frauenmilchbanken in Deutschland – derzeit kann der Bedarf an Spendermilch noch nicht für alle Perinatalzentren abgedeckt werden – ist die Möglichkeit, Muttermilch und aus Muttermilch gewonnenen Fortifier in Pulverform für diese Kinder vorzuhalten, eine sehr spannende Alternative.

Prof. Dr. Fusch und sein Team bereiten aktuell eine multizentrische Studie vor, die den Nutzen dieser innovativen Ernährungsmethode in mehreren Kliniken gleichzeitig wissenschaftlich untersuchen soll. Ziel ist es, in 15 großen Perinatalzentren bei mehreren Hundert Frühgeborenen, die ausschließlich mit Muttermilch ernährt werden, die Ergebnisse der Fortifizierung mit kuhmilchbasiertem Fortifier gegen einen solchen aus Humanmilch zu vergleichen.

Austausch mit der Hebammenzentrale der Region Hannover

Für den 14. Mai hatten sich Silvia Vihs, Christina Reinartz und Nina Obermeyer vom Team der Hebammenzentrale der Region Hannover zu einem Besuch in der Schillerstraße angekündigt, um sich mit dem Aktionsbüro zu aktuellen Themen wechselseitig auf den neusten Stand zu bringen. Ein wichtiges Thema war die Versorgung von Frauen und Familien in vulnerablen Situationen. Diese sind oft schwer zu erreichen, profitieren aber in besonderem Maße von einer frühzeitigen und kontinuierlichen Hebammenbetreuung. Das Aktionsbüro wird Teilaspekte dieser Thematik bei einer derzeit für den 1. Oktober in Vorbereitung befindlichen Veranstaltung gemeinsam mit dem Flüchtlingsrat Niedersachsen e. V. und der Koordinierungsstelle Gesundheitliche Chancengleichheit Niedersachsen aufgreifen.

Austauschtreffen der Berufsverbände

Bei der Zusammenkunft der Berufsverbände am 21. Mai wurde über den unglücklichen Ausgang der Verhandlungen bei der Schiedsstelle bzgl. des Vertrages für Hebammenhilfe berichtet. Auch über Gedanken zur Neuausrichtung der Gesundheitspolitik auf Bundesebene und die durch den Regierungswechsel ausgelösten Hoffnungen und Sorgen wurde gesprochen.

Zentrales Thema bei diesem Treffen waren die letzten Vorbereitungen für den gemeinsamen Interdisziplinären Fachtag Schwangerenvorsorge. Inzwischen hat die Veranstaltung am 11. Juni im digitalen Format erfolgreich und mit sehr starker Beteiligung stattgefunden. Ein ausführlicher Bericht dazu findet sich im folgenden Absatz. Der nächste Termin in dieser Runde soll maßgeblich der Nachlese und Auswertung der gemeinsamen Veranstaltung gelten.

Interdisziplinärer Fachtag Schwangerenvorsorge am 11.06.2025

Mit einer großartigen Resonanz fand am 11. Juni der Interdisziplinäre Fachtag Schwangerenvorsorge statt. Getreu dem Motto „Gemeinsam für eine frauzentrierte Betreuung“ wurde die Veranstaltung in Zusammenarbeit mit dem Hebammenverband Niedersachsen e. V. (HVN) und dem Berufsverband der Frauenärzte (BVF) vorbereitet und durchgeführt. Ziel der Veranstaltung war es, gemeinsam mit Hebammen, Ärzt:innen und weiteren Fachpersonen Wege zu einer besseren, bedürfnisorientierten und interdisziplinär getragenen Vorsorge für Schwangere zu diskutieren.

Hilke Schauland vom HVN und Per Kistenbrügge vom BVF eröffneten den Fachtag, zu dem sich mehr als 150 Interessierte aus diversen Handlungsfeldern angemeldet hatten. Nach einem digitalen Grußwort des niedersächsischen Gesundheitsministers Dr. Andreas Philippi folgte ein Einblick in die Erfahrungen von Schwangerenvorsorge in Niedersachsen aus Sicht von Mother Hood e. V. durch Kimberly Schuhmacher. Im Fokus standen außerdem innovative Konzepte wie die Gruppenschwangerenvorsorge, vorgestellt von Prof.in Dr.in Christiane Schwarz, ehemals Universität zu Lübeck und die partizipative Entscheidungsfindung, über die Prof.in Dr.in Rainhild Schäfers von der Universität Münster informierte. Dr. med. Tobias Rückert vom Diabeteszentrum Hannover Nord gab ein Update zum Umgang mit Schwangerschaftsdiabetes und Dr.in med. Helga Dallügge-Tamm von der amedes Group zeigte in ihrem Vortrag zur Testung und Therapie von B-Streptokokken in der Schwangerschaft auf, wie wichtig eine gemeinsame Haltung zwischen den Professionen ist.

Besonders wertvoll war der Austausch zu Best-Practice-Beispielen zur interdisziplinären Vorsorge in der Praxis von Dr.in Dagmar Hertle (BARMER-Institut für Gesundheitssystemforschung), die konkrete Wege für eine bessere interdisziplinäre Zusammenarbeit beschrieb.

Alle Beiträge machten deutlich: Fachliche Kompetenz allein genügt nicht – für eine gute Versorgung braucht es gegenseitige Wertschätzung, Kommunikation auf Augenhöhe und die gemeinsame Orientierung an den Bedürfnissen der Schwangeren.

Mit diesem Fachtag konnten wir zusammen mit unseren Kooperationspartnern, dem Hebammenverband Niedersachsen und dem Berufsverband der Frauenärzte, neue Impulse setzen und freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit für eine frauzentrierte Betreuung rund um die Geburt. Unser gemeinsamer Dank gilt allen Referent:innen und allen Teilnehmenden, die diesen Tag durch ihre Vorträge und durch lebhafte Diskussionen bereichert haben.

Runder Tisch Geburtshilfe

Am 20. Juni wird der Runde Tisch Geburtshilfe zum zweiten großen Treffen in diesem Jahr digital zusammenkommen. Die Arbeitsgruppen Hebammenkreißsaal, Präsenztag Aktionsplan Gesundheit rund um die Geburt und Verbesserung der Gesundheitskompetenz von Schwangeren, Müttern und Familien werden den Stand ihrer jeweiligen Arbeiten vorstellen.

Die AG Präsenztag Aktionsplan Gesundheit rund um die Geburt hat für das dritte Treffen des Runden Tisches im September diesen Jahres eine Zusammenkunft in Präsenz geplant, um an dem erforderlichen Aktionsplan Gesundheit rund um die Geburt in Niedersachsen zu arbeiten.

Website

Die Website des Aktionsbüros Gesundheit rund um die Geburt in Niedersachsen wurde wie gewohnt aktualisiert und ergänzt, um die Informationen zu den Bereichen Schwangerschaft, Geburt und Elternschaft aktuell und umfangreich zu gestalten. Haben Sie einen Veranstaltungstipp? Nutzen Sie gern unser Kontaktformular, um uns darauf aufmerksam zu machen – wir veröffentlichen passende Hinweise gern auf unserer Website.

Wir laden Sie herzlich ein, unsere Seiten zu erkunden – und freuen uns über Ihr Feedback! Auch neue Themenvorschläge und Anregungen sind jederzeit willkommen.

   WISSENSCHAFT UND FORSCHUNG

Forschungsprojekt „MAM-Care“

Wie erleben Mütter die Geburt ihres Kindes und wie kann die geburtshilfliche Versorgung in Deutschland verbessert werden? Das interdisziplinäre Forschungsprojekt MAM-Care am Universitätsklinikum Bonn widmet sich genau diesen Fragen. Seit Mai 2022 werden Erfahrungen von Müttern sowie Perspektiven von Geburtshelfer:innen umfassend analysiert.

Die erste Projektphase zeigte, dass einige geburtshilfliche Praktiken wie der Fundusdruck, das Drücken auf den Bauch während der Geburt, häufig angewandt werden, obwohl Leitlinien dessen Vermeidung empfehlen. Frauen beschreiben diesen Eingriff oft als belastend oder traumatisch. Auffällig ist, dass Assistenzärzt:innen den Fundusdruck häufiger als Fachärzt:innen einsetzen, was auf Ausbildungs- und Strukturprobleme hinweist. Auch der Dammschnitt wird weiterhin vergleichsweise oft durchgeführt, obwohl seine präventive Wirkung gegen schwere Risse nicht eindeutig belegt ist. Viele Frauen berichten von unzureichender Aufklärung und Unzufriedenheit mit diesem Eingriff.

Ein anderes zentrales Ergebnis betrifft die Geburtsposition: Fast 40 % der Frauen, die in Rückenlage geboren haben, gaben an, diese Position nicht freiwillig gewählt zu haben. Die selbstbestimmte Wahl der Geburtsposition korreliert stark mit der Zufriedenheit während der Geburt.

Ab Mai 2025 startete die zweite Projektphase mit einer niedrigschwelligen Intervention, die sogenannte Nudges nutzt – kleine, subtile Impulse, die Frauen ermutigen sollen, selbstbestimmte Entscheidungen während der Geburt zu treffen. Ziel ist eine Versorgung, die medizinische Sicherheit mit mehr Respekt und Einbindung der Mütter verbindet und so zu einem besseren Geburtserlebnis beiträgt.

Gezielte Muttermilchanreicherung verbessert Wachstum bei Frühgeborenen

Frühgeborene haben einen besonders hohen Nährstoffbedarf – gleichzeitig schwankt der Gehalt an Eiweiß, Fett und Kohlenhydraten in der Muttermilch stark. Standardisierte Anreicherungen reichen daher oft nicht aus, um eine optimale Ernährung sicherzustellen. Eine doppelblinde, randomisierte, kontrollierte Studie untersuchte den Nutzen einer individualisierten Makronährstoff-Anpassung bei Frühgeborenen vor der 30. Schwangerschaftswoche. Insgesamt wurden 103 Säuglinge in die Studie eingeschlossen. Die Kontrollgruppe erhielt eine Standardanreicherung, die Interventionsgruppe die Standard- und die Zielanreicherung mit modularen Proteinen, Lipiden und Kohlenhydraten. Frühgeborene der Interventionsgruppe wiesen eine höhere Makronährstoffaufnahme auf und wuchsen signifikant schneller – durchschnittlich 21,2 g/kg/Tag im Vergleich zur Kontrollgruppe mit 19,3 g/kg/Tag. Die größten Veränderungen zeigten sich bei Kindern, deren Muttermilch anfangs wenig Protein enthielt. Darüber hinaus traten deutlich weniger Fütterungsunverträglichkeiten auf und die Stoffwechselwerte blieben stabiler. Die Studie kam zu dem Ergebnis, dass die gezielte, individuelle Anreicherung von Muttermilch zu einer signifikant besseren Nährstoffversorgung führt und das Wachstum bei Frühgeborenen verbessert.

Frühkindlicher Stress erhöht Risiko für psychische Erkrankungen

Frühkindlicher Stress, etwa durch Vernachlässigung oder emotionale Unsicherheit, hinterlässt Spuren. Er kann die Entwicklung des kindlichen Gehirns tiefgreifend beeinflussen und das Risiko für spätere psychische Erkrankungen wie Angststörungen oder posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS) erhöhen. Eine Studie des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie zeigt nun: Frühkindliche Belastungen werden geschlechterspezifisch unterschiedlich verarbeitet – biologisch und verhaltensbezogen. Eine experimentelle Tierstudie zeigte, dass weibliche Jungtiere nach Stresssituationen besonders schnell reagieren – aktiv, mit Ausweichverhalten und deutlich erhöhtem Stresshormonspiegel. Männliche Tiere hingegen reagierten verzögert, aber langanhaltender – mit eher passivem Verhalten wie dem typischen „Einfrieren“. Auch im Gehirn selbst wurden Unterschiede sichtbar: In zentralen Hirnregionen wie Amygdala und Hippocampus fanden die Forschenden geschlechtsspezifische Veränderungen im Stoffwechsel. Diese betreffen unter anderem die Energieversorgung, DNA-Reparatur und die Kommunikation zwischen Nervenzellen – Prozesse, die für emotionale Stabilität und Resilienz entscheidend sind.

Die Ergebnisse machen deutlich: Frühkindlicher Stress wirkt sich nicht nur individuell, sondern auch geschlechtsspezifisch aus. Dieses Wissen könnte zukünftig helfen, gezieltere Therapieangebote für Kinder und Jugendliche zu entwickeln – abgestimmt auf Alter, Geschlecht und Erfahrungen.

   BEST PRACTICE

In dieser Rubrik wird ein Best-Practice-Beispiel vorgestellt, das dazu beiträgt, das Angebot und/oder die Unterstützung rund um Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und erstes Lebensjahr in einer Region zu verbessern. In diesem Newsletter wird die Frauenmilchbank des Kinder- und Jugendkrankenhauses AUF DER BULT vorgestellt.

Frauenmilch kann Leben retten

Die beste Ernährung für Neugeborene ist Muttermilch. Wenn diese aber (noch) nicht zur Verfügung steht, ist gespendete Frauenmilch (Milch einer anderen Mutter) die beste Alternative, insbesondere für kleine Frühgeborene oder sehr kranke Neugeborene. Das Kinder- und Jugendkrankenhaus AUF DER BULT in Hannover verfügt als eine von nur vier Kliniken in ganz Niedersachsen über eine Frauenmilchbank – und das bereits seit über fünf Jahren.

Dort wird Spenderinnenmilch gesammelt, geprüft, gelagert und an die kleinen Frühgeborenen weitergegeben, bis die eigene Mutter genügend Milch bildet. Die Auswahl der Spenderinnen unterliegt strengen Kriterien und die Ernährung mit gespendeter Frauenmilch klaren Hygienerichtlinien. Doch der Aufwand lohnt sich. Durch die Ernährung mit menschlicher Milch können nachweislich verschiedene schwere Komplikationen, wie die nekrotisierende Enterokolitis (eine schwere Darmentzündung mit hoher Sterblichkeit) und die Retinopathia praematurorum (Netzhautschädigung) bei Frühgeborenen verhindert werden. In diesem Jahr wurde im Kinder- und Jugendkrankenhaus AUF DER BULT die 100. Spenderin akquiriert. Über 500 Früh- und Neugeborene wurden in den letzten fünf Jahren mit knapp 1000 Litern gespendeter Frauenmilch ernährt. Parallel dazu erfolgt durch ein eingespieltes Team eine Stillberatung, sodass ein Großteil der Kinder mit Muttermilch ernährt nach Hause entlassen werden kann. So verbessern Frauenmilchspenden und Frauenmilchbanken die Startbedingungen ins Leben. Geplant ist, die Frauenmilchbank zukünftig im Mutter-Kind-Zentrum HENRIKE fortzuführen. Dort werden in Kürze die Geburtshilfe der DIAKOVERE und die Neugeborenen-Intensivstation des Kinder- und Jugendkrankenhaus AUF DER BULT zusammengeschlossen. So können auch die dort geborenen kleinen Frühgeborenen mit wertvoller Spenderinnenmilch versorgt werden.

Interessierte Personen finden auf der Website des Kinder- und Jugend-Krankenhauses AUF DER BULT eine Kontaktadresse. Weiterführende Informationen finden sich auch auf der Seite der Frauenmilchbank-Initiative e.V.

   MEDIENTIPP

Podcast „Hebammenkundig“

Titelbild des Podcast „Hebammenkundig“

Seit einem Jahr bietet der Podcast „Hebammenkundig“ wertvolle Einblicke für Hebammen und werdende Hebammen. Monatlich erscheinen neue Folgen, in denen Fachleute aus der Hebammenkunde sowie Expert:innen aus angrenzenden Disziplinen zu Wort kommen. Die Themen reichen von wissenschaftlichen Hintergründen bis hin zu praxisnahen Diskussionen – stets mit dem Ziel, Wissen greifbar zu machen und aktuelle Entwicklungen verständlich einzuordnen. Der Podcast vertieft zudem Inhalte aus der Zeitschrift Hebamme und fördert den interdisziplinären Austausch.

„Hebammenkundig“ ist eine Produktion der Thieme Gruppe und auf allen gängigen Podcast-Plattformen verfügbar. (fil)

Podcast „Die Friedliche Geburt“

Titelbild des Podcast „Die Friedliche Geburt“

Wer sich rund um Schwangerschaft, Geburt und das Ankommen im Familienleben informieren oder einfach mal innehalten möchte, findet im Podcast Die Friedliche Geburt eine wohltuende Mischung aus fundiertem Wissen, persönlichen Erfahrungen und praxiserprobten Impulsen zur Geburtsvorbereitung.

Kristin Graf, selbst dreifache Mutter, spricht mit Expert:innen aus der Geburtshilfe, darunter Hebammen, Ärzt:innen und Therapeut:innen. Dabei geht es um medizinische, psychologische und emotionale Aspekte der Geburt, stets mit dem Fokus auf Selbstbestimmung, Vertrauen und innerer Ruhe. Ein besonderes Highlight des Podcast sind die Meditationen, die werdende Eltern dabei unterstützen können, sich mental auf die Geburt vorzubereiten und Ängste abzubauen. Die Inhalte basieren auf einer eigens entwickelten Methode zur mentalen Geburtsvorbereitung, die inzwischen viele begeistert nutzen.

Der Podcast ist über alle gängigen Plattformen abrufbar, über die Website, Spotify oder auch per App. (fil)

Vor Hitze Schützen

Titelbild des Buchtipps: Vor Hitze Schützen

Die Herausgeberinnen Annette Grewe, Professorin für Medizinische Grundlagen an der Hochschule Fulda und Gründerin der Forschungsgruppe Klimawandel und Gesundheit an der Hochschule Fulda und die leider bereits verstorbene Beate Blättner, ehemals Professorin für Gesundheitsförderung an der Hochschule Fulda und Mitglied der Forschungsgruppe Klimawandel und Gesundheit an der Hochschule Fulda, informieren über die physiologischen und pathophysiologischen Abläufe bei Hitze im Zusammenhang mit Schwangerschaft, Entwicklungs- und Alterungsprozessen, Medikation, Erkrankungen und Beeinträchtigungen sowie über notwendige Interventionen in den Settings der Gesundheitsversorgung und der Pflege unter Berücksichtigung der Evidenz. Der Herausgeberband greift auch Fragen der Anpassung von Gebäuden sowie des Arbeitsschutzes auf, um Krankenhäuser sowie Pflege- und Versorgungseinrichtungen in die Lage zu versetzen, einen umfassenden Hitzeaktionsplan für ihre Einrichtung zu entwickeln. (sdw)

HENNY ANNETTE GREWE & BEATE BLATTNER (HRSG.): Vor Hitze schützen. Ein Handbuch für Pflege- und Gesundheitseinrichtungen. Kohlhammer, Stuttgart, 2024, 209 Seiten, 978-3-17-040844-9, 39,00 Euro

Schwupps und die Geburt per Kaiserschnitt

Titelbild des Buchtipps: Schwupps und die Geburt per Kaiserschnitt

Oh weh, was nun? Das Monsterbaby hat es sich einfach quer im Bauch gemütlich gemacht und kann nun nicht so wie die anderen Monsterkinder zur Welt kommen. Dabei möchte es doch unbedingt geboren werden und die Familie freut sich schon ganz doll. Hebamme Mick weiß Rat: Das Baby wird im Krankenhaus per Kaiserschnitt zur Welt kommen.

Im neuen Schwups-Buch erlebt die Monsterfamilie eine Kaiserschnittgeburt im Krankenhaus. Beim Lesen können die kleinen und großen Schwups-Fans – empfohlen wird das Buch für Kinder zwischen ca. drei und sechs Jahren, es wird aber auch den Größeren gefallen – diese Erfahrung teilen und allerhand über die Geburt per Kaiserschnitt lernen. Dabei wird auf humorvolle und informative Weise und ohne Wertung in die eine oder andere Richtung vermittelt, dass jede Geburt einzigartig und wunderbar ist. Das Buch zeigt auf, dass das Wunder der Geburt – ganz gleich, ob auf dem natürlichen Weg oder per Kaiserschnitt – unsere besondere Beachtung und Achtung verdient hat. (sdw)

ANNE MEIER-HETZINGER & JACKY GLEICH: Schwups und die Geburt per Kaiserschnitt. Elwin Staude Verlag, Hannover, 2025, 24 Seiten, 978-3-87777-143-3, 1,40 Euro

█    Sie haben auch ein tolles Buch gelesen, dass Sie gern weiterempfehlen möchten? Wir freuen uns über Ihren Buchtipp!

   VERSCHIEDENES

Female Genitale Mutilation_Cutting (FGM_C) – Beratung für Frauen und Mädchen in der Region Hannover

Triggerwarnung

Am 1. April 2025 bot die Hebammenzentrale der Region Hannover eine Fortbildung mit Lea Freckmann von der Diakonie Hannover Land zum Thema weibliche Genitalverstümmelung/-beschneidung an. Die Teilnehmendengruppe setzte sich maßgeblich aus den Berufsgruppen der Hebamme und Familienhebammen zusammen. Auch Sozialpädagoginnen und Fachkräfte Frühe Hilfen waren vertreten. Lea Freckmann stellte zunächst die vier verschiedenen Formen der Beschneidung vor. Weltweit sind 200.000.000 Mädchen davon betroffen, ca. 25% sterben entweder während des in der Regel ohne Betäubung durchgeführten und oft hochtraumatisierenden Eingriffs oder an den Folgen. In Deutschland ist die Beschneidung von Mädchen strafbar, dennoch leben hier 75.000 beschnittene Mädchen und Frauen.

Anhand von Fallbeispielen setzten sich die Teilnehmenden mit der komplexen Problematik, die sich in der Zeit von Schwangerschaft und Geburt noch einmal von einer besonderen Seite zeigt, auseinander und erhielten Tipps zur respektvollen und kultursensiblen Gesprächsführung. In Deutschland gibt es bislang nur wenige spezialisierte Anlaufstellen für Beratung und Therapie bei FGM_C – trotz der hohen Zahl betroffener Frauen. Umso wichtiger ist es, dass Hebammen, Ärzt:innen und weiteres Fachpersonal über grundlegendes Wissen verfügen. So lassen sich Retraumatisierungen und vermeidbare Komplikationen, etwa beim Wochenfluss nach einem Kaiserschnitt, vermeiden. Weiterführende Informationen finden sich z.B. auf den Seiten der Berliner Koordinnierungsstelle gegen FGM_C, bei der Desert Flower Foundation (DFF) oder bei Terre des Femmes.

Der Schutzbrief gegen weibliche Genitalverstümmelung klärt über die Strafbarkeit von FGM_C – auch im Ausland – sowie mögliche aufenthaltsrechtliche Folgen auf. Er soll gefährdete Mädchen und ihre Familien vor Eingriffen im Herkunftsland, insbesondere während der Ferien, schützen und kann im Reisepass mitgeführt werden. Der Brief hilft, sich gegen gesellschaftlichen Druck zu behaupten, und dient zugleich der allgemeinen Aufklärung.

Titelbild: Schutzbrief gegen weibliche Genitalverstümmelung

So gelingt die interdisziplinäre Vorsorge in der Schwangerschaft - Broschüre des Arbeitskreis Frauengesundheit (AKF)

„Zeigen, dass es geht!“ lautet die Überschrift des von Dr.in Dagmar Hertle verfassten Vorwortes der im Februar erschienenen und durch das Bundesministerium für Gesundheit geförderten Broschüre des AKF.

Im Folgenden formuliert Katharina Desery, die Vorständin von Mother Hood e. V., was Frauen sich für die Schwangerschaft wünschen. Anschließend zeigen Interviews eindrucksvoll auf, wie eine Zusammenarbeit von Frauenärzt:innen und Hebammen in der Schwangerenvorsorge in ganz unterschiedlichen Settings gelingt. Die gute Kooperation auf Augenhöhe wird dabei als ein wichtiges Element benannt. Als Vorteile der interdisziplinären Zusammenarbeit werden neben der Entlastung der Ärzt:innen auch der einfachere Zugang zur Hebamme, die umfassendere Beratung und Begleitung durch das Einbringen unterschiedlicher Blickwinkel und Ausbildungsschwerpunkte und die Betreuungskontinuität von Beginn der Schwangerschaft bis ins Wochenbett benannt. Gleichzeitig wird deutlich, dass die interdisziplinäre Schwangerenvorsorge ein wichtiger Schritt ist, um das Nationale Gesundheitsziel „Gesundheit rund um die Geburt“ umzusetzen. Frauen werden in diesem Betreuungskonzept in ihrer Fähigkeit, schwanger zu sein und zu gebären, gestärkt und der Fokus bei der Vorsorge ist weniger auf Risiken, sondern vielmehr auf Gesundheitsförderung ausgerichtet.

Frauenmilchbank in Bremen feiert fünfjähriges Bestehen

Anlässlich des 5. Geburtstages der in der Frauenmilchbankinitiative (FMBI) organisierten Bremer Frauenmilchbank gab es einen kurzen Bericht auf Sat.1 Regional, der anschaulich aufzeigt, wie Frühgeborene oder kranke reif geborene Kinder von der Ernährung mit gespendeter Muttermilch profitieren.

In Niedersachsen gibt es bisher erst in vier der insgesamt 13 Perinatalzentren an Level 1-Kliniken eine Frauenmilchbank, obwohl die FMBI interessierte Kliniken beim Aufbau einer Humanmilchbank unterstützt und die vor mehr als einem Jahr in Kraft getretene S2k-Leitlinie Einsatz und Behandlung von humaner Milch in Einrichtungen des Gesundheitswesens übersichtliche Handlungsempfehlungen für den Einsatz von humaner Milch für stationär zu behandelnde Neugeborene gibt. Dr. Thorsten Körner, leitender Arzt der Abteilung für Neonatologie am Klinikum Links der Weser in Bremen, setzt sich zusammen mit anderen Mitgliedern der FMBI dafür ein, dass alle bedürftigen Kinder Zugang zu Frauenmilch bekommen, wenn die Milch der eigenen Mutter (noch) nicht ausreicht. Ständig wachsende Evidenzen für den positiven Einfluss auf die Risikominimierung und ein breites Spektrum an Entwicklungsparametern untermauern dieses Bestreben.

Befragung: Gesundheit und Wohlbefinden von schwangeren Frauen

Wie erleben schwangere Frauen ihre Situation im Beruf, Studium oder in der Ausbildung? Welche Belastungen empfinden sie – und welche Schutzmaßnahmen würden aus ihrer Sicht wirklich helfen? Diesen Fragen geht aktuell eine wissenschaftliche Befragung der Freiburger Forschungsstelle für Arbeitswissenschaften (FFAW) nach.

Ziel ist es, praxisnahe Empfehlungen für einen besseren Mutterschutz zu entwickeln. Die Befragung richtet sich an schwangere Frauen in Ausbildung, Studium oder Erwerbstätigkeit. Sie basiert auf dem Copenhagen Psychosocial Questionnaire (COPSOQ), einem etablierten und wissenschaftlich validierten Fragebogen zu psychischer Belastung am Arbeitsplatz.

Teilnehmende erhalten einen individuellen Vergleich ihrer Belastungswerte mit einer großen Referenzstichprobe und können an einer Verlosung von Wertgutscheinen im Wert von je 30 Euro teilnehmen. Der Fragebogen kann bis zum 30. September 2025 unter www.schwanger-arbeiten.de ausgefüllt werden. Initiiert wurde die Befragung vom Ausschuss für Mutterschutz (AfMu) beim Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung zeigt kaum Beachtung für die Bedeutung der Geburtshilfe für die Frauen- und Kindergesundheit

Die neue Regierung zeigt im Koalitionsvertrag wenig Motivation für die Verbesserung der geburtshilflichen Versorgung und schenkt damit der davon in hohem Maße abhängigen Frauen- und Kindergesundheit wenig Beachtung. Pläne zur Fortsetzung des Aktionsplans sichere Geburt der letzten Regierung fehlen völlig. Die neue Regierung verpasst die Chance, die Qualität in der Versorgung rund um die Geburt endlich zu verbessern. Mother Hood e.V. spricht von einem „sehr enttäuschenden Regierungsstart" und wird sich weiterhin dafür einsetzen, durch konkrete Forderungen „immer wieder auf die Belange von Schwangeren, Gebärenden und Familien mit Neugeborenen hin(zu)weisen".

Finanzielle Schlechterstellung für Beleghebammen durch den neuen Hebammenhilfevertrag

Bis zuletzt hatte die größte berufsständische Vertretung der Hebammen, der Deutsche Hebammenverband (DHV), mit allen Mitteln dagegen gekämpft und befürchtet nun eine massive Gefahr für die geburtshilfliche Versorgung. „Für viele Kolleginnen, die zwar in ihrem Traumjob, aber schon heute mit prekärem Auskommen arbeiten, dürfte diese Entscheidung das endgültige Berufs-Aus bedeuten. Aktuell werden bundesweit mehr als zwanzig Prozent der Geburten in Kliniken von freiberuflichen Hebammen im Belegsystem begleitet, in Bayern ist es die Mehrzahl aller Geburten. Bricht den Beleger:innen nun die Existenzgrundlage weg, zieht dies auch eine verheerende Versorgungsknappheit für die Frauen und Familien in den betroffenen Regionen nach sich", so Ursula Jahn-Zöhrens, Verhandlungsführerin und Präsidiumsmitglied des DHV.

Der größte Berufsverband für Hebammen bezeichnet es als desaströs, dass er in der Schiedsstelle mit seinen Forderungen unterlag und verspricht, „auch weiterhin mit allen Möglichkeiten dafür zu kämpfen, für unsere Mitglieder in allen Leistungsbereichen die bestmöglichen Ergebnisse zu erzielen". Der DHV appellierte auch an die zukünftige Regierung, die Zukunft der Hebammen und der Geburtshilfe nicht aus dem Blick zu verlieren.

„Die Gesundheit rund um die Geburt im Land Brandenburg stärken“

Die Fachstelle Gesundheitsziele im Land Brandenburg setzt mit ihrer digitalen Veranstaltungsreihe „Die Gesundheit rund um die Geburt im Land Brandenburg stärken“ wichtige Impulse für eine verbesserte Versorgung rund um Schwangerschaft, Geburt und frühe Elternschaft. Ende Mai und Anfang Juni fanden zwei weitere Foren der Reihe statt:

Am 27. Mai stand das Raynaud-Phänomen im Fokus – eine Durchblutungsstörung, die auch stillende Mütter betreffen kann. Referentin Marta Hehnel, Stillberaterin im Geburtshaus Apfelbaum, erläuterte Ursachen, Symptome und hilfreiche Strategien im Umgang mit schmerzhaften Gefäßkrämpfen, die beim Stillen auftreten können.

Das fünfte Forum am 3. Juni widmete sich dem Thema Schütteltrauma und der Kampagne „Bitte nicht schütteln“. Dr.in Beate Schwarz erklärte eindrücklich, wie gefährlich auch kurzes, heftiges Schütteln für Säuglinge ist. Ergänzend zeigte Dipl.-Psych. Bärbel Derksen Unterstützungsangebote für überlastete Eltern auf – insbesondere für Familien mit sogenannten „Schreibabys“. Das Bündnis Gesund Aufwachsen stellt alle Dokumentationen der vergangenen Veranstaltungen kostenfrei auf ihrer Website zur Verfügung. Die Veranstaltungsreihe wird am 8. Juli mit Teil sechs zum Thema „Förderung der physiologischen Geburt in Kliniken“ fortgesetzt.

   VERANSTALTUNGEN

Familien mit psychisch kranken Eltern

   01. Juli 2025 in Oldenburg

Psychische Erkrankungen von Eltern können deren Fürsorgeverhalten und die kindliche Bindungsentwicklung erheblich beeinträchtigen. Die Fortbildung beleuchtet, wie sich Einschränkungen in Stresstoleranz, Empathie und Beziehungsgestaltung auf den Familienalltag auswirken – und wie Fachkräfte darauf reagieren können.

Im Fokus stehen Beobachtungskriterien für belastete Eltern-Kind-Interaktionen sowie Methoden zur Vertrauensbildung und Therapiemotivation. Zudem werden Ansätze der videogestützten Förderung vorgestellt. Ein weiterer Schwerpunkt ist die gelingende Zusammenarbeit zwischen Jugendhilfe, Gesundheitswesen und Bildungseinrichtungen. Fallbeispiele ermöglichen den Transfer in die Praxis.

Die Veranstaltung richtet sich an Fachkräfte, die mit betroffenen Familien arbeiten und ihre Handlungssicherheit stärken möchten.

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Jahrestagung „Ohne Halt? – Psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen“ der LVG & AFS

   02. Juli 2025 in Hannover

Die aktuelle Rasanz und Taktung elementarer Krisen sind wahrscheinlich einzigartig. Ohne Halt zu sein, wird zum Lebensgefühl einer ganzen Generation. Immer mehr Kinder und Jugendliche leiden unter psychischen Belastungen und massiven Störungsbildern. Dem gegenüber steht ein Hilfe- und Bildungssystem, das bereits jetzt an seiner Belastungsgrenze operiert und vielerorts überfordert ist.

Um junge Menschen besser zu unterstützen, ist dringend eine Verbesserung der Versorgungssituation notwendig. Welche konkreten Veränderungen sind notwendig? Welche politischen und gesellschaftlichen Weichenstellungen sind erforderlich, um langfristige Verbesserungen zu erzielen? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt der Jahrestagung, bei der gemeinsam mit Expert:innen der Blick sowohl auf die aktuelle Versorgungslage als auch auf die Rolle der Gesundheitsförderung und Prävention geworfen wird.

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Förderung der physiologischen Geburt in Kliniken

   08. Juli 2025, Online-Veranstaltung

Die Fachstelle Gesundheitsziele im Land Brandenburg setzt mit ihrer digitalen Veranstaltungsreihe Die Gesundheit rund um die Geburt im Land Brandenburg stärken wichtige Impulse für eine verbesserte Versorgung rund um Schwangerschaft, Geburt und frühe Elternschaft. Der sechste Termin hat das Thema „Förderung der physiologischen Geburt“. Die Teilnahme ist kostenlos und richtet sich an Fachkräfte wie auch an interessierte Eltern.

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1. Bundesweites Aktiven-Treffen der Deutschen Allianz für Klimawandel und Gesundheit

   05. - 07. September 2025 in Kassel

In diesem Jahr ist das 1. Bundesweite Aktiven-Treffen der Deutschen Allianz für Klima und Gesundheit (KLUG) geplant. Auch die interdisziplinäre KLUG-AG Rund um die Geburt möchte dort in Präsenz zusammenkommen. Wer schon vorher mit dieser AG in Kontakt treten möchte, kann über die Projektadministrator:innen Infos zu den regelmäßig stattfindenden Unterarbeitsgruppen aufnehmen.

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4. Lübecker interprofessioneller Perinatalkongress

   19. - 20. September 2025, Online-Veranstaltung

Schwangerschaft, Geburt und frühe Kindheit gemeinsam denken – darum geht es beim 4. Lübecker interprofessionellen Perinatalkongress, dem großen geburtshilflichen Online-Kongress. Dabei werden die Professionen aus Geburtshilfe und Pädiatrie zusammengebracht. In fünf Themenblöcken blicken die Referent:innen – Hebammen, Gynäkolog:innen und Neonatolog:innen – aus unterschiedlichen Perspektiven auf aktuelle Themen wie zum Beispiel aktuelle Leitlinien, innovative Projekte, Mikrobiom, Geburtsschmerz und Rassismus in der Geburtshilfe.

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Akupressur von Schwangerschaft bis Wochenbett

   07. Oktober 2025, DIAKOVERE Hannover

Die Akupressur ist eine sanfte Methode, um Beschwerden in der Schwangerschaft, während der Geburt und im Wochenbett zu lindern. Durch gezielten Fingerdruck auf bestimmte Druckpunkte des Körpers können Blockaden gelöst und die Selbstheilungskräfte aktiviert werden.

In diesem praxisorientierten Kurs werden die Grundlagen der Akupressur vermittelt und gezielt auf typische Beschwerden wie Übelkeit, Schmerzen, Schlaflosigkeit oder Verdauungsprobleme eingegangen. Auch Verspannungen im Nacken-, Schulter- und Rückenbereich sowie emotionale Belastungen wie Ängste können durch Akupressur gelindert werden. Im Anschluss an den Kurs sind die Teilnehmenden in der Lage, Akupressur gezielt in ihrem beruflichen Alltag anzuwenden.

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6. Symposium der Frauenmilchbank-Initiative e. V.

   10. - 11. Oktober 2025 in Berlin und Online

Die Frauenmilchbank-Initiative e.V. lädt zum 6. Symposium ein, das am 10. und 11. Oktober 2025 in Kooperation mit der Charité in Berlin stattfindet. Im Fokus stehen aktuelle Herausforderungen und Entwicklungen im Bereich der Frauenmilchbanken – insbesondere im Hinblick auf neue regulatorische Anforderungen durch die SoHo-Richtlinie. Das interdisziplinäre Programm beleuchtet praxisnahe Fragestellungen rund um Qualitätssicherung, Zulassung, spezielle Patientengruppen und zukünftige Perspektiven in der Versorgung mit gespendeter Frauenmilch. Neben fachlichem Austausch bietet die Veranstaltung Gelegenheit zur Vernetzung und zum Besuch der Frauenmilchbank der Charité.

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Frauengesundheit in der Ernährungstherapie

   17. Oktober 2025, Online-Veranstaltung

Das Seminar widmet sich den Besonderheiten der Frauengesundheit in den verschiedenen Lebensphasen und ihrer Bedeutung für die Ernährungstherapie. Der Fokus liegt auf der Betrachtung des weiblichen Zyklus, den Phasen von Kinderwunsch, Schwangerschaft und Stillzeit bis hin zu den Wechseljahren. Jede dieser Phasen bringt spezifische Anforderungen mit sich, die in der Ernährungsberatung eine wichtige Rolle spielen – sowohl präventiv als auch bei der Behandlung gynäkologischer Erkrankungen wie Endometriose, Adenomyose oder polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS).

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Weiterer Veranstaltungen finden Sie auf unserer Website.

   IM GESPRÄCH MIT ...

Porträtfoto von Dr. Rudolf Ascherl

Dr. Rudolf Ascherl
Neonatologe und Vorstandsmitglied in der Frauenmilchbank-Initiative e. V. (FMBI)

Aktionsbüro: Bitte stellen Sie sich mit drei Sätzen vor!

Rudolf Ascherl: Mein Name ist Rudolf Ascherl. Ich bin Neonatologe und im Vorstand der Frauenmilchbank-Initiative e. V. (FMBI). Das ist ein bundesweit tätiger gemeinnütziger Verein. Dessen Ziel ist, Neugeborenen überschüssige Milch von anderen Müttern zukommen zu lassen, wenn deren Mutter nicht genug eigene Milch hat. 

Aktionsbüro: Mit wem würden Sie gern mal eine Stunde über Ihre Wünsche zum Thema „Gesundheit rund um die Geburt“ sprechen?

Rudolf Ascherl: Sehr gerne möchte ich eine Stunde mit den Gesundheitsministern in unserem Land sprechen.

Aktionsbüro: Um welches Thema würde sich dieses Gespräch maßgeblich drehen?

Rudolf Ascherl: Es ist ganz enorm wichtig zu erkennen, es handelt sich bei Frauenmilch nicht um ein kleines Randthema. Etwa 1% aller Kinder kommen als Frühgeborene mit einem sehr niedrigem Geburtsgewicht von unter 1.5 kg zur Welt. Das sind in Deutschland knapp Zehntausend Kinder jährlich! Fast alle haben zu irgendeinem Zeitpunkt zu wenig Muttermilch. Frauenmilchbanken ermöglichen einen viel besseren Start ins Leben als die oftmals schädliche künstliche Säuglingsnahrung. Wir müssen allen Bedürftigen Neugeborenen diese Spendermilch anbieten können.

Aktionsbüro: Wenn Sie sich von Ihrer/Ihrem Gesprächspartner:in eine Sache wünschen dürften: Was wäre das?

Rudolf Ascherl: Es gibt immer mehr Milchbanken, das ist sehr gut. Jetzt wird das nächste Problem deutlich: Der laufende Zusatzaufwand, der durch die Ernährung mit gespendeter Frauenmilch entsteht, muss bitte abgebildet werden. Entweder müssen die Krankenkassen das bezahlen, oder es muss eine andere Lösung geben. Im Moment zahlen die Krankenhäuser ihre Milchbanken aus ihren Budgets — Das reicht nicht für alle bedürftigen Kinder und das muss sich bitte ändern. (Die Mütter würden gerne mehr spenden!)

Aktionsbüro: Was wird Ihr nächstes Projekt?

Rudolf Ascherl: Ganz viele Projekte: Wir helfen im In- und Ausland beim Auf- und Ausbau von Frauenmilchbanken, wir forschen und wir möchten die neuen Regularien mitgestalten. Das alles läuft auf die große Vision der FMBI zu: Sichere, gespendete Frauenmilch für alle bedürftigen Neugeborenen.

Aktionsbüro: Danke Dr. Rudolf Ascherl!

   IMPRESSUM

Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen Bremen e. V. 
Geschäftsführer: Thomas Altgeld 
Schillerstraße 32 · 30159 Hannover 
Internet: www.gesundheit-nds-hb.de
LinkedIn: @lvgafs

Die Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen Bremen e. V. (LVG & AFS Nds. HB e. V.) ist ein gemeinnütziger, unabhängiger und landesweit arbeitender Fachverband für Gesundheitsförderung, Prävention und Sozialmedizin mit Sitz in Hannover. Mitglieder sind Institutionen und Personen aus dem Gesundheits-, Sozial- und Bildungsbereich.

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