Fachtagung
08. Oktober 2026

Ich halte durch, aber wer hält mich?

Bindungsentwicklung in Familien mit psychisch erkrankten Eltern verstehen und fördern

Kinder psychisch erkrankter Eltern bewegen sich häufig zwischen Verantwortung, Anpassungsleistung und dem eigenen Bedürfnis nach Halt – oft unsichtbar für ihr Umfeld. Ihre Lebensumstände sind geprägt von Ambivalenzen, Loyalitätskonflikten und einer frühen Notwendigkeit, „durchzuhalten“. Vor diesem Hintergrund lädt das Netzwerk Kinder psychisch kranker Eltern am 08.10.2026 zum Fachtag „Ich halte durch, aber wer hält mich?“ ein.

Anmeldung

Elterliche psychische Erkrankungen können ein erhebliches Risiko für die emotionale Entwicklung von Kleinkindern bis hin zu Jugendlichen darstellen, insbesondere dann, wenn Bindungssicherheit durch eingeschränkte psychische oder physische Verfügbarkeit der Eltern beeinträchtigt ist. Gleichzeitig machen Forschung und Praxis deutlich: Bindung ist kein starres Konstrukt, sondern ein dynamischer Prozess, der durch stabile Bezugspersonen, verlässliche Beziehungen und unterstützende Systeme positiv beeinflusst werden kann.

Gerade deshalb ist das Thema Bindung für Fachkräfte aus der sozialen, pädagogischen und klinischen Arbeit von zentraler Bedeutung. In der Praxis treffen sie häufig auf Familiensysteme, in denen zwischen Ressourcen und Belastungen oft fließende Grenzen existieren und in denen institutionelle Rahmenbedingungen (z. B. Zeitfenster, Unterstützungsstrukturen, interdisziplinäre Schnittstellen) darüber mitentscheiden, ob bindungsförderliche Prozesse überhaupt wirksam werden können. Ein bindungsorientierter Blick hilft, Verhaltensweisen besser zu verstehen, Ressourcen zu erkennen und angemessen zu unterstützen, statt zu pathologisieren. Wissen über Bindungsdynamiken, psychische Erkrankungen und ihre Wechselwirkungen ist daher eine entscheidende Grundlage, um Kinder zu stärken, Eltern zu entlasten und tragfähige Unterstützungsnetzwerke zu knüpfen.

Auf dem Fachtag beleuchten zwei Fachvorträge die Bedeutung elterlicher Verfügbarkeit und geben vertiefende Einblicke in das Erleben von Kindern jeglichen Alters mit belastenden Erziehungserfahrungen. In einer zweistündigen Workshopphase können Teilnehmende aus sechs praxisnahen Angeboten wählen – von konkreten Methoden zur Stärkung von Kindern über Multifamilienarbeit, Mentalisierung, gruppenbezogene Arbeit bis hin zu den Auswirkungen von Rassismus auf Familienstrukturen und Bindungen. Ausreichend Zeit für kollegialen Austausch und Netzwerkarbeit ist fest eingeplant. In der Zeit rund um die Mittagspause gibt es zusätzlich einen betreuten Infotisch, der Raum bietet, Beratungsstellen und Angebote kennenzulernen. Der gemeinsame Abschluss wird vom Playback Theater Bremen gestaltet, welches die Vortragsthemen und die Workshopinhalte künstlerisch verarbeitet auf die Bühne bringt. Der Fachtag richtet sich an alle Fachkräfte, die Kinder psychisch erkrankter Eltern begleiten – und gemeinsam der Frage nachgehen wollen, wie Halt entstehen kann, wo Durchhalten allein nicht reicht.
 

Programm

08:30 UhrAnkommen
09:00 UhrWillkommen durch Moderation
09:10 UhrGrußwort
Claudia Bernhard, Senatorin für Gesundheit, Frauen und Verbraucherschutz (angefragt)
09:25 UhrVorstellung des Netzwerkes Kinder psychisch kranker Eltern
Mitglieder aus dem Netzwerk Kinder psychisch kranker Eltern
09:45 UhrDie Bedeutung elterlicher Verfügbarkeit für die kindliche Entwicklung
Prof. Sabine Wagenblass, Hochschule Bremen
10:30 UhrPause
11:00 UhrAuf der Suche nach Geborgenheit – Kinder mit belastenden
Beziehungserfahrungen besser verstehen und in der Stressregulation begleiten
Katja Beeck, Netz und Boden, Initiative für Kinder psychisch kranker Eltern, Berlin
12:00 UhrMittagspause & betreuter Auslagetisch
13:15 Uhr

Parallele Workshops

Workshop 1: Kinder psychisch kranker Eltern stärken – Methoden aus den Kursen "Miteinander WACHSEN"
Im Workshop wird ein Einblick in die Online-Seminare "Miteinander WACHSEN" gegeben, ausgewählte Methoden vorgestellt und ausprobiert. Diese Seminare sind für erwachsen gewordene Kinder konzipiert, doch die Teilnehmenden hätten sich einiges davon bereits in ihrer Kinder- und Jugendzeit gewünscht. Darüber hinaus können einige Methoden in einer stärkenden Elternarbeit eingesetzt werden.

Katja Beeck, Netz und Boden, Initiative für Kinder psychisch kranker Eltern, Berlin


Workshop 2: Kidstime – ein Projekt mit Multifamilienarbeit für Kinder psychisch kranker Eltern
Kidstime ist ein bundesweit etabliertes Bremer Angebot, das Kinder psychisch erkrankter Eltern und ihre Familien mit kreativen und theaterpädagogischen Methoden stärkt und schwere Themen aufbricht. Im Workshop werden zentrale Methoden praktisch erprobt und Evaluationsergebnisse reflektiert.

Klaus Henner Spierling, Kids Time Netzwerk

Abweichender Veranstaltungsort:
m|Centrum, Buntentorsteinweg 24/26, 28201 Bremen


Workshop 3: Sich selbst und andere besser verstehen
Wir gehen anhand von Theorieentwicklung und Fallbeispielen auf das Konzept der Mentalisierungsfähigkeit ein und zeigen auf, wie es uns bei der Begleitung von Familien nutzen kann. Die Fähigkeit zu mentalisieren entwickelt sich in den ersten Lebensjahren im emotionalen Austausch mit den Bezugspersonen. Wir legen dabei einen Fokus auf die Interaktion zwischen psychisch belasteten Eltern und ihren Kindern.

Dr. Claudia Wagner & Petra Lübbers, Gesundheitsamt Bremen

Abweichender Veranstaltungsort:
m|Centrum, Buntentorsteinweg 24/26, 28201 Bremen


Workshop 4: La Ola von wellengang hamburg – eine Gruppe für Kinder und Jugendliche (im Alter von 7–16 Jahren) mit psychisch erkrankten Eltern
Der Workshop stellt das Gruppenangebot „La Ola“ vor, gibt praxisnahe Anregungen für die eigene Arbeit und lädt zum Austausch über Möglichkeiten und Grenzen der Gruppenarbeit mit Kindern und Jugendlichen psychisch erkrankter Eltern ein.

Jonas Popp, wellengang hamburg


Workshop 5: Auswirkungen von Rassismus auf Familienstrukturen
Rassismus hat Auswirkungen auf familiäre Strukturen und Eltern-Kind-Bindungen und verlangt von Fachkräften eine ehrliche Reflexion eigener Muster und Grenzen. Was braucht es, welche Werkzeuge kann ich nutzen und wie setze ich mein neues Wissen im Praxisalltag um?

Myrell Kohrs, Therapie, Coaching, Beratung, Berlin


Workshop 6: Störungsspezifische Auswirkungen auf das Bindungsverhalten und dessen mögliche Folgen 
Jede psychische Störung bringt ihre eigene Symptomatik und damit auch störungsspezifische Auswirkungen auf das Erziehungs- und Bindungsverhalten mit sich. Gemeinsam mit Ihnen möchten wir diese und mögliche Folgen für die Kinder näher beleuchten und Handlungsansätze erarbeiten.

Dr. Maike Lipsius & Inari Priess, Regionale Fachkräfte für psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen (ReFaps), Bremen

Abweichender Veranstaltungsort:
m|Centrum, Buntentorsteinweg 24/26, 28201 Bremen

15:15 UhrPause
15:30 UhrPlayback Theater Bremen
16:30 UhrEnde

Gesamtmoderation
Brigitte Kreiner & Claudia Tiedemann, Netzwerk Kinder psychisch kranker Eltern

Teilnahmebedingungen

Die Teilnahmegebühr beträgt 80 Euro. Anmeldeschluss ist 7 Tage vor Veranstaltungsdatum. Anmeldungen werden nur über das Anmeldeformular entgegengenommen. Unsere Veranstaltungen finden Sie unter www.gesundheit-nds-hb.de/veranstaltungen. Die Anmeldung ist verbindlich. Reservierungen sind nicht möglich. Mit Ihrer Anmeldung akzeptieren Sie die Teilnahme- und Stornobedingungen und erklären sich zur Zahlung der Teilnahmegebühr bereit. Nach erfolgreicher Anmeldung erhalten Sie im Anhang der Bestätigungsmail die Rechnung zur Begleichung der Teilnahmegebühr innerhalb von 10 Tagen. Bis 7 Tage vor Veranstaltungsbeginn ist eine kostenfreie Stornierung möglich. Folgen Sie hierfür bitte den Schritten in Ihrem Buchungscenter unter dem Punkt »Storno«. Bei späterer Absage, Nichtteilnahme oder technischen Problemen, die nicht in unserem Verantwortungsbereich liegen, erfolgt keine Rückerstattung. Die LVG & AFS behält sich beispielweise im Krankheitsfalle vor, Termine kurzfristig abzusagen und ggf. geeignete Ersatztermine anzubieten. Aus den vorgenannten Punkten ergeben sich keinerlei Rechtsansprüche.

ORGANISATION

Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen Bremen e. V.
(LVG & AFS Nds. HB e. V.)
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