Segel setzen 2027
Kurs halten in stürmischer See: Lage und Zukunft der Sozialpsychiatrischen Dienste in DeutschlandVerschiedene globale wie innenpolitische Entwicklungen, Krisen und Ereignisse beeinflussen das psychiatrische Versorgungssystem im Allgemeinen und die Arbeit in den Sozialpsychiatrischen Diensten (SpDi) im Besonderen. Viele Menschen sind durch Kriege, wirtschaftliche Krisenlagen, Klimawandel verunsichert und fühlen sich bedroht. Eine Reaktion darauf ist die Entsolidarisierung. Ohne Zweifel wirken sich diese Verhältnisse und Phänomene auf die gesundheitliche Situation der Menschen aus.
Die Innenministerkonferenz nahm 2025 Medienberichte über Gewalttaten mutmaßlich psychisch erkrankter Menschen zum Anlass, um Gefährderregister und Datenweitergabe an die Polizei zu fordern. Die Bundesregierung plant erhebliche Einschnitte bei der sozialen Sicherung, der Teilhabe und in der Gesundheitsversorgung und hat den Pakt für den ÖGD ohne Anschlussregelung beendet.
Betroffen sind in erster Linie Menschen in prekären Lebenslagen: Wohnungsnot, materieller Armut, unsicherer und gleichzeitig schwieriger werdendem Zugang zu Diensten und Einrichtungen des Gesundheits- und Sozialsystems. Aktuelle politische Entscheidungen auf Bundes- wie auf Landesebene stellen Selbstverständlichkeiten und normative Prinzipien des Sozialstaates in Frage. Es sind Tendenzen zu beobachten, Psychischkrankenhilfegesetze (PsychKHG) wieder verstärkt unter dem Vorrang von Ordnung und Sicherheit zu verändern, dies häufig auf Kosten der Angebote zur Hilfe und Unterstützung. Aber auch der zunehmende Fachkräftemangel und ineffektiv eingesetzte finanzielle Mittel erfordern eine strukturelle Neu- bzw. Weiterentwicklung des psychiatrischen Versorgungssystems.
Das Programm der Tagung versucht diesen aktuellen Problemlagen Rechnung zu tragen: Ein soziologischer Einstieg stellt einen übergreifenden Hintergrund her, welcher die Grundlage für die Darstellung und Diskussion der aktuellen Lage der SpDi, untermauert durch eine Umfrage, bildet. Zentrale Themen werden dann in einem World Café erörtert. Während der erste Tag sich vorrangig mit der Gegenwart auseinandersetzt, richtet der zweite Tag den Blick in die Zukunft. Dies wird eng verknüpft mit der Frage, welche Aufgaben, Herausforderungen und Funktionen den SpDi zur Umsetzung der kommunalen Daseinsvorsorge im Gemeindepsychiatrischen Verbund zukommen.
Selbstredend bezieht eine politisch sich verstehende Sozialpsychiatrie die Politik mit ein, weshalb wir zum Abschluss der Tagung mit verschiedenen politischen Vertreter:innen über Perspektiven der Gesundheitsversorgung und der SpDi diskutieren wollen.
Bei der 6. Fachtagung in Präsenz geht es also zum einen um die aktuelle Lage der SpDi in unserm Land. Zum anderen um die konstruktive Weiterentwicklung des SpDi als eine Kerneinrichtung in der psychiatrisch- psychosozialen Versorgungslandschaft mit ihren vielfältigen Herausforderungen.
Programm für Donnerstag, den 04.03.2027
| 09:15 Uhr | Anmeldung und Begrüßungskaffee |
| 09:45 Uhr | Begrüßung durch die Tagesmoderation Dr. Matthias Albers |
| 09:55 Uhr | Grußwort (Videobotschaft) Dr. Andreas Philippi |
| 10:05 Uhr | Zur sozialen Lage der Republik und was tun - Anmerkungen eines Soziologen Prof. Dr. Klaus Dörre |
| 11:00 Uhr | Pause |
| 11:20 Uhr | Bundesweite Lage der SpDi – Aktuelle Entwicklungen Annette Fröhmel Holger Vinke-Bartling |
| 12:00 Uhr | SpDi reloaded – alte Aufgaben, neue Rahmen, gleiche Menschen Prof. Dr. phil. Stephan Dettmers |
| 13:00 Uhr | Mittagspause mit Imbiss |
| 14:00 Uhr | World Café zu aktuellen Problemlagen der sozialpsychiatrischen Dienste |
| 16:00 Uhr | Offener Rundgang - Ergebnisse im Dialog |
| 16:40 Uhr | Gemeinsamer Abschluss Dr. Matthias Albers |
| 16:45 Uhr | Ende des Veranstaltungstages |
| 18:30 Uhr | „Get together“ – Gemeinsames Abendessen (Anmeldung erforderlich) |
Programm für Freitag, den 05.03.2027
| 08:45 Uhr | Anmeldung und Begrüßungskaffee |
| 09:10 Uhr | Begrüßung durch die Tagesmoderation Holger Vinke-Bartling |
| 09:15 Uhr | Was können Leitlinien für die Sozialpsychiatrischen Dienste leisten? - Der aktuelle Stand des SpDi-Zusatzmoduls PD Dr. rer. med. habil. Uta Gühne |
| 10:00 Uhr | Die Zukunft der SpDi im gesellschaftlichen Wandel – Auftrag weiterentwickeln, Vernetzung stärken, Verantwortung übernehmen. Dr. med. Monica Schol-Tadic |
| 10:45 Uhr | Pause |
| 11:00 Uhr | Resümee der Tagungsbeobachtungen Marie Scheibe und/oder Andreas Reinsch Gudrun Weißenborn Dr. Hermann Elgeti |
| 11:30 Uhr | Podiumsdiskussion: Und nun? Die Zukunft der Sozialpsychiatrischen Dienste und des Versorgungssystems. Moderation: Annette Fröhmel |
| 13:00 Uhr | Gemeinsamer Abschluss und Ende der Veranstaltung Holger Vinke-Bartling und Dr. Matthias Albers |
| 13:15 Uhr | Ende der Veranstaltung |
Referierende und Mitwirkende beider Tage
- Dr. Matthias Albers, Bundesweites Netzwerk Sozialpsychiatrischer Dienste
- Dr. Andreas Philippi, Niedersächsischer Minister für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Gleichstellung
- Prof. Dr. Klaus Dörre, Gastprofessor für Sozialökologische Nachhaltigkeitskonflikte, Uni Kassel
- Annette Fröhmel, Akademie für Öffentliches Gesundheitswesen in Düsseldorf; Bundesweites Netzwerk Sozialpsychiatrischer Dienste
- Holger Vinke-Bartling, Gesundheitsamt Stadt Köln; Bundesweites Netzwerk Sozialpsychiatrischer Dienste
- Prof. Dr. phil. Stephan Dettmers, Departement Soziale Arbeit, OST – Ostschweizer Fachhochschule
- PD Dr. rer. med. habil. Uta Gühne, Dipl.-Psych., Institut für Sozialmedizin, Arbeitsmedizin und Public Health (ISAP), Universität Leipzig, Medizinische Fakultät
- Dr. med. Monica Schol-Tadic, FDL Sozialmedizin, Psychiatriekoordination, Fachbereich Gesundheit und Prävention; Bundesarbeitsgemeinschaft Gemeindepsychiatrischer Verbünde e.V. (stellv. Vorsitzende)
- Marie Scheibe und/oder Andreas Reinsch, Expert:innen aus Erfahrung
- Gudrun Weißenborn, Dipl.-Rehabilitationspädagogin, Projektleitung im LV Angehörige psychisch erkrankter Menschen e.V. (ApK Berlin)
- Dr. Hermann Elgeti, Sozialpsychiater in Altersrente, 2010 Mitgründer des SpDi-Netzwerks und bis 2018 deren inhaltlicher Koordinator
- Ansgar Piel, Niedersächsisches Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Gleichstellung
- Prof. Dr. med. Gouzoulis-Mayfrank, Ärztliche Direktorin, LVR-Klinik Köln und Fachliche Direktorin Forschung, LVR-Institut für Forschung und Bildung (IFuB), Past Präsidentin der DGPPN
- Kerstin Folgner, Akademie für Öffentliches Gesundheitswesen in Düsseldorf; Bundesweites Netzwerk Sozialpsychiatrischer Dienste; Akademie auch nennen
- Jörg Holke, Aktion Psychisch Kranke e.V., Geschäftsführung
Fortbildungspunkte
Es wurden Fortbildungspunkte bei der Ärztekammer Niedersachsen beantragt.
Teilnahmebedingungen
Die Teilnahmegebühr beträgt 150 Euro. Anmeldeschluss ist 4 Wochen vor Veranstaltungsdatum. Anmeldungen werden nur über das Anmeldeformular entgegengenommen. Unsere Veranstaltungen finden Sie unter www.gesundheit-nds-hb.de/veranstaltungen. Die Anmeldung ist verbindlich. Reservierungen sind nicht möglich. Mit Ihrer Anmeldung akzeptieren Sie die Teilnahme- und Stornobedingungen und erklären sich zur Zahlung der Teilnahmegebühr bereit. Nach erfolgreicher Anmeldung erhalten Sie im Anhang der Bestätigungsmail die Rechnung zur Begleichung der Teilnahmegebühr innerhalb von 10 Tagen. Bis 4 Wochen vor Veranstaltungsbeginn ist eine kostenfreie Stornierung möglich. Folgen Sie hierfür bitte den Schritten in Ihrem Buchungscenter unter dem Punkt »Storno«. Bei späterer Absage, Nichtteilnahme oder technischen Problemen, die nicht in unserem Verantwortungsbereich liegen, erfolgt keine Rückerstattung. Die LVG & AFS behält sich beispielweise im Krankheitsfalle vor, Termine kurzfristig abzusagen und ggf. geeignete Ersatztermine anzubieten. Aus den vorgenannten Punkten ergeben sich keinerlei Rechtsansprüche.
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