Unsere ‚verrückten‘ Familien!
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Unsere ‚verrückten‘ Familien!
Psychisch fit in der Grundschule: Psychische Krankheiten in der Familie ansprechen, Verständnis füreinander schaffen, sich zu helfen wissen – darum geht es in dem Präventionsprogramm für die Grundschule. Denn psychische Probleme von Erwachsenen sind niemals die Schuld der Kinder!
Etwa die Hälfte aller Menschen in Deutschland leidet im Laufe des Lebens an einer psychischen Erkrankung, darunter auch viele Eltern. Wenn Millionen Erwachsene psychische Gesundheitsprobleme haben, hat das Folgen für die Versorgung und das Aufwachsen der Kinder. Oft herrscht in den Familien Sprechverbot und die Kinder befinden sich in Loyalitätskonflikten. Manchmal müssen sie sich auch um ihre erkrankten Eltern kümmern und Aufgaben von Erwachsenen übernehmen. Das verunsichert Kinder: Sie fühlen sich schuldig und allein gelassen. Darum brauchen sie besonders viel Verständnis, Hilfe und Unterstützung, um ihr Leben gut zu meistern.
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Das Präventionsprogramm „Unsere ‚verrückten‘ Familien!“ wurde von Irrsinnig Menschlich e. V. entwickelt und beinhaltet Schultage für Grundschüler:innen ab der dritten Klasse sowie Fortbildungen für Lehrkräfte, Eltern und weitere Multiplikator:innen.
Nach einer individuellen Schulung setzen Kooperationspartner:innen das Programm selbstständig in ihrem Landkreis oder ihrer kreisfreien Stadt um. Die bei der LVG & AFS angesiedelte Landeskoordination für Niedersachsen unterstützt und begleitet die Standorte dabei.
Ziele
- Entstigmatisierung und Aufklärung: Das Thema „Psychische Krisen in der Familie“ altersgerecht besprechbar machen und verstehen
- Hilfesuchverhalten fördern: Hilfen für Kinder und Familien in Schule und Wohnort aufzeigen
- Entschuldung und Entlastung: Verständnis füreinander schaffen, dass Kinder niemals schuld an den psychischen Krisen von Erwachsenen sind
- Förderung der Resilienz von Grundschüler:innen
- Stärkung der Schulgemeinschaft
- Sichtbarmachen des Themas „Kinder psychisch erkrankter Eltern“
- Verbesserung der Vernetzung von Schule und kommunalen Hilfen
Maẞnahmen
Das Programm besteht aus drei Bausteinen. Jeder Baustein richtet sich an eine andere Zielgruppe – gemeinsam sorgen sie dafür, dass das Thema „Kinder psychisch erkrankter Eltern“ in Grundschule, Familie und Kommune sichtbar wird.
- Der Schultag bildet das Herzstück des Programms und richtet sich an Grundschüler:innen ab Klasse 3. Hier geht es darum, Kindern auf altersgerechte Weise zu vermitteln, dass psychische Krisen zum Leben dazugehören. Dreh- und Angelpunkt ist ein großes Wimmelbild, über das die Klasse Einblick in das Leben verschiedener Familien bekommt – mit all den kleinen und großen Sorgen. Zwei Fachpersonen aus der kommunalen psychosozialen Versorgung oder Gesundheitsförderung führen den Schultag durch.
- Die Fortbildungen für Lehrkräfte und pädagogisches Fachpersonal werden bedarfsorientiert angeboten und vermitteln grundlegendes Wissen über psychische Erkrankungen im familiären Kontext. Ziel ist es, Lehrkräfte in ihrer Lotsenfunktion zu stärken und sie mit Unterstützungsangeboten und hilfreichen Strategien vertraut zu machen.
- Ein weiterer wichtiger Bestandteil ist die Einbindung von Eltern, zum Beispiel über Elternabende.
Die Schultage und Fortbildungen wirken wie Eisbrecher, damit sich Schulen auf den Weg machen, um mit psychischer Gesundheit gute Schule zu machen. „Unsere ‚verrückten‘ Familien!“ ermutigt die Teilnehmenden und Institutionen, bedürfnis- und lösungsorientiert weiterzuarbeiten sowie sich kommunal mit Akteur:innen aus Gesundheit, Jugendhilfe und Schule zu vernetzen, die sich für psychisches Wohlbefinden und gutes Aufwachsen von jungen Menschen – insbesondere den vulnerablen Gruppen unter ihnen – engagieren.
Für die Umsetzung des Präventionsprogramms braucht es Kooperationspartner:innen vor Ort. Kooperationspartner:innen sind Träger:innen der psychosozialen und sozialpsychiatrischen Versorgung, Träger:innen von Prävention und Gesundheitsförderung oder Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe (z. B. Grundschulsozialarbeit) und arbeiten auf verschiedenen Feldern bereits professionell mit psychisch erkrankten jungen Menschen zusammen. Gemeinsam setzen sie „Unsere ‚verrückten‘ Familien!“ um.
Eine kommunale Zusammenarbeit und Verknüpfung mit „Verrückt? Na und! Psychisch fit in der Schule“ ist möglich und empfehlenswert, um Prävention systematisch entlang der gesamten Schullaufbahn umzusetzen. Damit wird eine Grundlage geschaffen, um Prävention orientiert am Lebenslauf zu gestalten.
Als Landeskoordination ist die LVG & AFS zentrale Ansprechpartnerin für alle an „Unsere ‚verrückten‘ Familien!“ interessierten Akteur:innen in Niedersachsen. Die Landeskoordination ist für den Ausbau des Präventionsprogramms im Bundesland und für die fachliche Unterstützung und Begleitung der Standorte verantwortlich.
Laufzeit
Mai 2026 – Juni 2029
Förderer
- Auridis Stiftung
- AOK Niedersachsen
Kooperationspartner:innen
Ein Programm von Irrsinnig Menschlich e. V.